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Alnatura Magazin Oktober 2018

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Schwerpunkt-Thema Alnatura Bio-Bauern-Initiative

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Weitere Infos unter alnatura.de/ABBI BIO-BAUERN-INTERVIEW Gletscher im Dinkelfeld Für die Agrarwissenschaftler Catherine und Jens Müller Cuendet und die Landwirte Patrik und Clarissa Schubiger ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Die befreundeten Familien haben im letzten Jahr das Gut Mönchhof bei Meißner in Hessen gekauft und stellen es jetzt auf Demeter- Landbau um. Die Cuendets züchten Getreide und vermehren es, die Schubigers bauen eine Rinderzucht auf. Wir sprachen mit Jens Müller Cuendet. 14 Alnatura Magazin Oktober 2018

Wie war das erste Jahr auf dem eigenen Hof im Hitzesommer 2018? Jens Müller Cuendet: »Wir haben wie viele unter der Trockenheit gelitten, aber die erste Ernte – eine Hafer-, drei Weizen- und fünf Dinkelsorten – ist eingebracht. Unsere kleine Rinderherde besteht derzeit aus 5 Mutterkühen und 13 Jungtieren. Und dazu kommt die Starthilfe der Alnatura Bio-Bauern-Initiative – wir finden, das ist ein guter Auftakt.« Wie haben Sie von dem Förderprojekt erfahren? »Aus einer Zeitschrift. Wir haben uns nicht die schlechtesten Chancen ausgerechnet. Dennoch war es eine Überraschung, als wir ausgewählt wurden. Das Geld konnten wir sehr gut einsetzen, unter anderem für einen gebrauchten Mähdrescher, Getreide- Lagerkisten und eine Kistentrocknungsanlage.« Ihre Frau ist Getreidezüchterin. Wie sieht das in der Praxis aus? »Catherine leitet die Getreidezüchtung Peter Kunz Deutschland, eine gemeinnützige Organisation, die ihren Stammsitz in der Schweiz hat und zu den wichtigsten Bio-Saatgutzüchtern gehört. Sie hat sich auf Dinkel spezialisiert. Letzten Herbst wurden fünf ihrer Bio-Sorten vom Bundes sortenamt zugelassen. Unsere Dinkelsorten heißen beispielsweise Edelweißer, Gletscher oder Serpentin. Sortenbezeichnungen stehen aber leider auf keiner Getreidepackung im Laden.« Warum züchten Bio-Bauern eigenes Saatgut? »Bio-Sorten sind optimal an die Gegebenheiten im Öko-Landbau angepasst, es sind robuste Pflanzen, die gute Erträge mit guter Qualität liefern. Herkömmliches Saatgut wird zwar auf Bio-Betrieben vermehrt, doch ihre Züchtung war auf die konventionelle Landwirtschaft ausgerichtet. Eigenes Saatgut ist frei von Gentechnik und bedeutet Unabhängigkeit von Saatgutkonzernen.« Wie lange dauert es, eine neue Getreidesorte zu züchten? »Angefangen von der Kreuzung verschiedener Pflanzen über das Auswählen der robustesten und gesündesten Getreidepflanzen dauert das zwischen 10 und 15 Jahre. Am Ende hat man dann 10 oder 20 Kilogramm Saatgut für die Vermehrung. Dieser Prozess kostet circa 700.000 Euro.« Agrarwissenschaftlerin Catherine Müller Cuendet prüft die Qualität der eigens gezüchteten Dinkelsorte. Und wer bezahlt diese Leistung? »Dafür gibt es gemeinnützige Initiativen, etwa Stiftungen. Sie sammeln und verwalten Spenden von Privatpersonen, Stiftungen und Unternehmen der Bio-Branche. Denn die unabhängige Saatgutzüchtung kommt allen zugute, sie ist ein gesellschaftliches Engagement. Auch der Saatgutzüchter leistet einen Eigenanteil. Problematisch ist die fehlende Basisfinanzierung, zum Beispiel um die Infrastruktur eines Bauernhofs mit Traktoren und Maschinen aufrechterhalten zu können. Hier ist die Situation vieler Züchter oftmals mehr als heikel.« Ihre Arbeit ist die Saatgutvermehrung. Worauf kommt es dabei an? »Einfach gesagt – aus ein paar Kilogramm Körnern einige Hundert machen, die der Landwirt dann auf seinen Flächen ausbringt. Das A und O bei der Vermehrung ist wie bei der Züchtung sehr sauberes Arbeiten, damit die Sorte sich nicht mit einer anderen vermischt. Im Mähdrescher beispielsweise können leicht einige Kilo Körner zurückbleiben. Deswegen reinigen wir nach jedem Feld drei Stunden den Mähdrescher, bevor der nächste Acker drankommt.« Dann wächst auf den Flächen des Mönchhofs also vor allem Getreide? »Um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und zu fördern, planen wir eine abwechslungsreiche siebenjährige Fruchtfolge mit Dinkel und Weizen, Gründüngung mit Rotklee oder Phacelia und Körner legumi nosen, etwa Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen. Und natürlich gibt es viele Wiesen für die wachsende Rinderherde und das Hühnervolk, das wir noch anschaffen wollen.« ››› Das Interview führte Volker Laengenfelder.

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