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Alnatura Magazin März 2021

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Bunte Osterbäckerei: Von einfach bis raffiniert // Bio-Vielfalt: Deutsche Weine bei Alnatura // Bruderküken-Initiative: Auch die Hähne dürfen aufwachsen

WISSENSWERTES ÜBER

WISSENSWERTES ÜBER BIO-LANDBAU HERSTELLER-EMPFEHLUNG* Saatgut: Warum der Bio-Landbau sinnvoll für Mensch und Erde ist, wie er funktioniert und vor welchen Herausforderungen wir stehen – all das erklären Ihnen Expertinnen und Experten jeden Monat in unserer Serie. Dieses Mal erläutert Justine Lipke, welch große Unterschiede es beim Saatgut gibt und welche Relevanz das für uns alle hat. Karma Kollektiv Gemahlener Bio-Röstkaffee Der Milde** oder Gemahlener Bio-Röstkaffee Der Kräftige** Dieser Röstkaffee aus Peru ist ein biologisch angebauter Ursprungskaffee aus fairem Handel. Er stammt von der Kooperative La Florida aus der peruanischen Region Chanchamayo. Die Kooperative ermöglicht einen direkten Handel mit den kleinen Landwirtschaftsbetrieben. Der Milde aus mittlerer dunkel-brauner Röstung schmeckt leicht süß und schokoladig. Der Kräftige mit kräftig-dunkelbraunem Röstgrad ist aromatisch im Geschmack. Beide Sorten bestehen zu hundert Prozent aus Arabica- Bohnen und werden schonend per Langzeitröstung veredelt. Abgefüllt von den Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Erhältlich im Mehrwegglas. je 185 g 6,49 € (100 g = 3,51 €) * Bei dieser Produktvorstellung handelt es sich um eine Anzeige. Sie erhalten die Produkte in Ihrem Alnatura Super Natur Markt. ** Nicht in allen Märkten erhältlich. Die Zukunft: samenfestes Saatgut aus biologischer Züchtung A lle Gemüse- und Getreidesorten Hybridzüchtungen vermehren sich • dominieren inzwischen die durch Samen. Um die Landwirtschaft Nutzpflanzen für unsere • garantieren eine gute Ernte, Lebensmittel anzubauen, aber nur für eine Generation werden in der Landwirtschaft Samen in die Erde Die Folgen gebracht. Alles klar, • Abhängigkeit von wenigen oder? Doch so einfach ist großen Saatgutkonzernen es leider nicht. Hobbygärtnerinnen und -gärt- samenfesten Sorten • Verlust von Biodiversität und ner kennen vielleicht die Bezeichnung »Hybrid F1« von den Saatguttütchen. Das Prinzip ist allgegenwärtig im landwirtschaftlichen Anbau – auch im biologischen Landbau. Hybridsorten entstehen durch ein bestimmtes Zuchtverfahren: Man wählt zunächst zwei Elternpflanzen aus, deren positive Eigenschaften in einer neuen Sorte vereint werden sollen. Diese Pflanzen werden dann über mehrere Generationen hinweg nur mit sich selbst befruchtet, Inzucht nennt man das. Unter natürlichen Bedingungen würde das nur selten passieren, da die Pflanze eine gewisse genetische Breite braucht, um gesund zu bleiben. Wenn die beiden Inzuchtlinien anschließend miteinander gekreuzt werden, besitzt die nachfolgende Tochtergeneration (auch F1-Generation genannt) nicht nur die gewünschten Eigenschaften beider Elternlinien, sondern ist zusätzlich sehr einheitlich und hochertragreich. Klingt erst mal gut. Aber wo ist der Haken? 46 Alnatura Magazin März 2021

die Keimzelle unserer Nahrung baut werden können. Mehr als 90 Prozent aller Sorten sind dadurch schätzungsweise weltweit verloren gegangen. Das bedeutet einen unwiederbringlichen Verlust an Biodiversität und Ernährungssicherheit – da wir uns auf wenige Sorten verlassen. DIE ZUKUNFTSFÄHIGE ALTERNATIVE Eine bisher wenig bekannte Gegenbewegung zeigt, dass es auch anders geht: Seit etwa 30 Jahren beschäftigen sich einzelne Pionierinnen und Pioniere mit der biologischen Züchtung neuer Sorten speziell für den Bio-Landbau. Bis heute arbeiten sie fast ohne staatliche Unterstützung. Ihre Sorten werden von Anfang an unter biologischen Bedingungen angebaut und sind frei von gentechnischen Eingriffen. Sie sollen von sich aus widerstandsfähig gegen Schädlinge und Krankheiten sein und ohne massiven Düngereinsatz gut gedeihen. Allerdings vergehen bis zu 15 Jahre, bis eine neue Sorte marktfähig ist. Biologisch Züchtende schaffen durch Kreuzung sehr vieler Ausgangssorten einen möglichst großen Genpool. Sie setzen darauf, viele Sorten einer Art zu züchten, die sich jeweils für verschiedene Bodenbedingungen und Klimata eignen und anpassungsfähiger sind. Eine Eigenschaft, die angesichts des Klimawandels immer wichtiger wird. Ob im Hobbygarten oder im Erwerbsanbau – samen feste Sorten aus biologischer Züchtung sollten bald selbstverständlich sein. Gastbeitrag von Justine Lipke, Referentin für Kommunikation bei bioverita HOCHLEISTUNGSSORTEN MIT FOLGEN Die positiven Effekte halten leider nur für eine Generation an. Nach den mendelschen Regeln sind die Nachkommen der folgenden Generationen in Aussehen, Ertrag und Reifezeit so verschieden, dass sie nicht mehr verwendbar sind. Im privaten Garten ist es sicher zu verschmerzen, wenn zum Beispiel die Kürbisse kleiner geraten oder verformt sind. In der Landwirtschaft geht das nicht. Daher müssen die Landwirtinnen und Landwirte das Saatgut für diese Hochleistungssorten jedes Jahr neu einkaufen und können nicht einfach einen Teil ihrer Ernte wieder aussäen. Das führt zur Abhängigkeit von wenigen großen Saatgutfirmen, die zudem immer häufiger Patente auf ihre Sorten anmelden. Auch ethisch ist das Vorgehen bedenklich: Der Mensch limitiert Organismen, um Profit zu machen. Saatgut-Initiativen bioverita: Der Verein kennzeichnet Sorten aus biologischer Züchtung und garantiert damit das Prinzip »Bio von Anfang an« für Gemüse, Getreide und Obst. bioverita.org Kultursaat e. V.: Die Gemeinschaft von über 30 Züchterinnen und Züchtern an 20 verschiedenen Standorten hat bereits 131 Gemüsesorten aus biodynamischer Züchtung angemeldet. kultursaat.org RightSeeds: Die Forschungsgruppe an der Uni Oldenburg untersucht, wie gemeingüterbasierte Sortenzüchtung und Saatgutproduktion zu einem sozial-ökologischen Wandel der Landwirtschaft beitragen kann. rightseeds.de VERLUST AN SAMENFESTEN SORTEN Der Anteil an Hybridsorten nimmt indes immer weiter zu. Wegen ihres hohen Ertrags ist ihre Verwendung auch im Bio-Bereich üblich. Der massive Hybrideinsatz hat zu einem Schwund der sogenannten samenfesten Sorten geführt, die nachbaufähig sind, das heißt bedenkenlos über viele Generationen hinweg wieder ange- Alnatura Magazin März 2021 47

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