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Alnatura Magazin Mai 2022

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Tomaten von der Reichenau // Lasst uns kochen: Rezepte fürs Campen // Alnatura bewegt: Gemeinsam für den Erhalt von Mangrovenwäldern

INTERVIEW

INTERVIEW Alnatura trifft Gerald Hüther Gründer der Initiative LernLust.JETZT! Dr. Gerald Hüther ist Neurobiologe, Vorstand der Akademie für Potentialentfaltung und Mitinitiator von LernLust.JETZT!. Er publiziert regelmäßig Fachbeiträge und ist Autor von zahlreichen Büchern. In »Mit Freude lernen – ein Leben lang« formuliert Dr. Gerald Hüther sein Verständnis von Lernen, ebenso in »Kinder gezielt fördern: So entwickeln sich Kinder spielend«. Herr Hüther, in einem Interview haben Sie jüngst gesagt, dass Schule keine Antworten liefern kann, worin ihre Aufgabe bestünde. Wie würden Sie die Aufgabe von Schule idealtypisch definieren? »Um eine Antwort auf diese Frage zu geben, brauchen wir uns ja nur rückblickend noch einmal anzuschauen, weshalb die Schülerinnen und Schüler nach den coronabedingten Schulschließungen wieder in die Schule gehen sollten: Am wichtigsten war es, sie dort schnell wieder unterzubringen, damit ihre Eltern nicht überlastet wurden und wieder arbeiten gehen konnten. Am schnellsten wurden die Schulen für diejenigen geöffnet, die kurz vor ihren Abschlüssen standen. Und am größten sind bis heute die Sorgen über die entstandenen Rückstände bei der Abarbeitung der Lehrpläne. Damit offenbaren sich die wichtigsten Aufgaben der Schule: Sicherung der Berufstätigkeit der Eltern, Erteilung von Abschlüssen und Bewertungen für weiterführende Ausbildungseinrichtungen sowie Abarbeitung von Lehrplänen zur Vermittlung des dort vorgegebenen Wissens und zum Erwerb von als wichtig erachteten Kompetenzen. Das Wohl der Schülerinnen und Schüler kommt hier gar nicht vor, noch nicht einmal deren kompetente Begleitung bei der Aneignung all dessen, was sie für eine gelingende Gestaltung ihres Lebens und ihres Zusammenlebens mit anderen, auch mit anderen Lebewesen, brauchen. Genau das wäre aber aus meiner Sicht die Aufgabe von Schule im 21. Jahrhundert.« Welche Rolle spielt dabei die immer wieder geforderte Digitalisierung? Brauchen wir nicht für unsere Kinder mehr Analogisierung? »Besonders nachhaltig wird all das gelernt, was Lernende berührt, was sie begeistert, was sie mit Hingabe herauszufinden versuchen. Damit etwas in dieser Weise ›unter die Haut geht‹ und die Entdeckungsfreude und Gestaltungslust entfacht, braucht es die lebendige Begegnung mit einem Gegenüber. Vor einem Bildschirm kann man sich auch etwas aneignen. Aber eben nur das, wofür das digitale Gerät programmiert ist. Diese Geräte sind tote Maschinen und können niemanden tief im Inneren berühren.« Sie vermissen also Entdeckungsfreude und Gestaltungslust. Wie kann da Ihre Initiative LernLust.JETZT! ansetzen? »Ich vermisse sie nicht, diese Freude am eigenen Entdecken und gemeinsamen Gestalten begleitet mich schon mein ganzes Leben. Ich wünsche allen Heranwachsenden, dass ihnen dieser lebenswichtige Schatz nicht verloren geht. Leider passiert das allzu oft, meist schon recht früh. Das kennen alle, die erlebt haben, mit welcher Begeisterung Kinder anfangs in die Schule kommen und wie schnell sie ihnen vergeht. Das ist kein Naturgesetz, die Lernlust verschwindet immer, wenn man nicht mehr lernen darf, sondern lernen soll oder gar muss. Mit der Initiative LernLust.JETZT! laden wir Eltern, Lehrerinnen und Lehrer sowie andere Interessierte dazu ein, Ortsbündnisse zu gründen, die Schulen dabei unterstützen, dass kein Kind in der jeweiligen Schule vor Ort seine angeborene Freude am Lernen mehr verliert.« Können Sie das konkretisieren: Welche Rolle kommt Bürgerinnen und Bürgern in dem Bündnis zu? Wie sähe das zum Beispiel konkret im Fach Deutsch aus? »Es geht um neue Ideen und Vorschläge, die den für die jeweilige Schule Verantwortlichen vorgestellt werden, und es geht darum, den Lehrkräften bei der Umsetzung zu helfen. Deutsch lernen Kinder bei allem, was sie gemeinsam tun, beim Theaterspielen, bei einem Zirkusprojekt, auf dem Bauernhof. Und wenn sie dabei Verantwortung übernehmen und sich um etwas kümmern dürfen, informieren sie sich auch gern über alles, was dazu gebraucht wird. So lesen sie Sachbücher oder suchen nach geeigneten Darstellungen im Internet. So lernen sie ganz nebenbei immer besser Deutsch, weil sie es wollen und nicht müssen.« Welche Altersgruppe an Heranwachsenden haben Sie besonders im Auge? Ist nicht in einer gewissen Pubertätsphase keine Lust auf Schule normal, weil zum Beispiel Hobbys oder das andere Geschlecht auf einmal viel relevanter sind als Schulfächer? »Für pubertierende Schülerinnen und Schüler brauchen ihre Begleitenden etwas mehr Fantasie und Einfühlungsvermögen. Das ist aber in allen etwas schwierigeren Umbruchsund Lebens phasen so. Um wieder Orientierung ins Gehirn zu bekommen, ist eine gemeinsame Alpenüberquerung zu Fuß sicher 56 Alnatura Magazin Mai 2022

LernLust ANZEIGE JETZT! Gerald Hüther möchte mit seiner Initiative LernLust.JETZT! Menschen gewinnen, um sich in regionalen Ortsgruppen zusammenzutun und Schulen, Kinder und Jugendliche zu unterstützen. besser ge eignet als ständige Ermahnungen und Nachhilfeunterricht.« Was halten Sie von Homeschooling, wie wir es während der Coronapandemie erlebt haben? Liefert Schule als sozialer Treffpunkt wie auch Ort für Chancengleich heit unabhängig vom Elternhaus nicht weiterhin einen wertvollen Beitrag? »Für viele Schülerinnen und Schüler ist die Schule inzwischen der einzige Ort, an dem sie Gleichaltrige treffen, sich austauschen und soziale Erfahrungen sammeln können, die über den zwangsläufig immer beschränkten Horizont ihrer jeweiligen Elternhäuser hinausgehen. Weil vielen genau das – nicht aber der dort stattfindende Unterricht – so gefehlt hat, wollten sie auch so gern wieder in die Schule.« Warum arbeiten Sie mit Alnatura zusammen? Was verbindet Sie? »Alnatura zählt zu den zukunftsweisenden Unternehmen, die nicht die Gewinnmaximierung in den Vordergrund ihrer Bemühungen stellen, sondern das Wohlergehen ihrer Kundinnen und Kunden, Partner und Zulieferer, und sogar der Böden, auf denen unsere Nahrungspflanzen gedeihen, sowie der Bauernhöfe, auf denen unsere Nahrungsmittel erzeugt werden. Und die Kundinnen und Kunden von Alnatura sind sich dessen bewusst. Sie wissen, dass sich etwas Lebendiges nur dann entfalten kann, wenn es nicht wie ein Objekt benutzt wird. Deshalb freuen sich das ganze Team unserer Initiative und ich auf eine fruchtbare Zusammenarbeit.« Das Interview führte Matthias Fuchs. WERDEN SIE JETZT AKTIV! Gemeinsam für mehr Lernlust & Bildung – bringen Sie sich mit Ihren Fähigkeiten ein. Lassen Sie uns die Freude am Lernen in den Mittel punkt unserer Bemühungen stellen und unsere Kinder dabei unterstützen, ein gelingendes Leben sowie eine nachhaltige Welt zu gestalten. Wir laden dazu ein. www.LernLust.jetzt Alnatura unterstützt die Initiative LernLust.JETZT!

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