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Alnatura Magazin Mai 2020

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GESELLSCHAFT Einfach

GESELLSCHAFT Einfach geschlechtergerecht Im Grunde sind sich viele einig: Wir möchten wertschätzend miteinander und übereinander sprechen und dabei niemanden außen vor lassen. Aber warum ist es für einige noch so schwer, Sprachgewohnheiten zu durchbrechen? Dass es im Gegenteil ganz leicht sein kann, geschlechtergerecht zu kommunizieren, zeigt die Plattform Genderleicht.de Bei sehr vielen Berufen hat jeder Mensch ein klares Bild vor Augen: Anwalt, Richter, Polizist, Lehrer oder auch Arzt. Wer diese Wörter hört, hat Männer im Blick, die einen dieser Berufe ausüben. Mit zahlreichen Studien aus der Gehirnforschung lässt sich nachweisen: Anwältin, Richterin, Polizistin, Lehrerin oder Ärztin – dieses Bild erscheint bei den Wenigsten vor dem inneren Auge, wenn sie die männliche Berufsbezeichnung hören oder auch lesen. Diese kleine Übung zeigt: Die deutsche Sprache kann mehr – sie kann, anders als viele romanische oder angelsächsische Sprachen, deutlich machen, über welches Geschlecht wir sprechen: Ist ein Mensch eine Frau oder ein Mann? Ist es eine Radfahrerin oder ein Fußgänger, die bei Grün die Straßenseite wechseln, während ein Busfahrer und eine Taxifahrerin an der roten Ampel warten? Viele Aktivistinnen (und ein paar Aktivisten) kämpfen seit Jahren dafür, dass in der Sprache Frauen nicht einfach nur »mitgemeint« werden. Das passiert vor allem, wenn die männliche Form wegen der angeblich »besseren Lesbarkeit« in Texten, Veröffentlichungen und Zeitungsmeldungen benutzt wird. Oder wenn sie in Fernsehbeiträgen und Hörfunkstücken vielfach verwendet wird – weil wir so sprechen. Es geht auch einfacher, korrekter und damit sprachlich sogar besser. Auf der Online-Plattform Genderleicht.de veröffentlicht der Journalistinnenbund, mit Förderung durch das Bundesfamilienministerium, seit Juni 2019 Hinweise, Tipps und viele Beispiele, wie die deutsche Sprache geschlechtergerecht genutzt werden kann. »Gendern«, das kann leicht gehen, ist nicht verkopft – auch wenn es seit Jahren ein Kampfbegriff gegen die Frauenbewegung und viele feministische Gruppen ist. Eines ist jedoch unstrittig: Bei nicht gegenderten Texten fängt die Benachteiligung an, beim Gehaltszettel geht sie weiter. Genderleicht.de will vor allem Journalistinnen und Journalisten bei ihrer Arbeit für Print, Radio, Fernsehen und Online Impulse zu sprachlicher Gleichstellung geben. Aber natürlich steht die Website allen offen. Unter den wertvollen Hin weisen finden sich Schreibtipps und eine praktische Checkliste zum Download. Wer an kniffeligen Textfragen knabbert, kann sich im Textlabor umschauen oder gleich das Team Genderleicht fragen. Ein besonderes Anliegen von Genderleicht.de ist es, Alternativen zum gene rischen Maskulinum aufzuzeigen, also zu den männlichen Personenbezeichnungen, um die es zu Anfang dieses Artikels ging. Kommt es beispielsweise in einer Textpassage auf das Geschlecht gar nicht an, gibt es viele Möglichkeiten, statt dessen geschlechtsneutral zu formulieren. Geht es dagegen konkret um Männer, Frauen oder alle Geschlechter, sollten sie korrekt und wertschätzend benannt werden. Apropos »alle Geschlechter«: Das Gender-Sternchen macht klar, dass es nicht nur Frauen und Männer gibt, sondern auch Menschen, die intergeschlechtlich sind oder trans oder sich als genderqueer definieren. Es gibt viele geschlechtliche Variationen. Dies macht auch der Gender-Gap deutlich, der Unterstrich zwischen dem männlichen Wortstamm und der weiblichen Endung. Eine dritte Möglichkeit ist stark im Kommen: Der Gender-Doppelpunkt mitten im Wort. Er ist im Schriftbild weniger auffällig als das Sternchen. Aber auch hier müssen wir die Bedeutung erst »lernen«: Ein so markiertes Wort soll für alle Geschlechter stehen. Ein wenig aus dem Blickfeld geraten ist die sogenannte Schrägstrichlösung. Mit Bindestrich geschrieben wie in Mitarbeiter/ -innen ist sie die einzige vom Duden anerkannte Form. Nur – sie umfasst nicht alle Geschlechter. Wenn es ums Gendern geht, denken viele, kleben wir ein Gender-Sternchen dran und fertig. Aber allzu viele Sternchen machen einen Text schwer lesbar, das Lesevergnügen leidet darunter. Barrierefrei ist es auch nicht. Wer zum Beispiel 46 Alnatura Magazin Mai 2020

TerraSana RAW Superfood das ist positive eating ANZEIGE aufgrund einer Sehbehinderung einen Screenreader benutzt, bekommt beim Vor - l esen des Textes zu hören: »Polizist-Sterninnen«. Ganz schön nervig, wenn der Text mit Sternchen gespickt ist. Und Menschen, die nur leichte Sprache verstehen, wundern sich, was das Sternchen mitten im Wort soll. Da hilft nur eines: weniger Wörter einsetzen, die ein Sternchen brauchen. Praktische Kontrollfrage beim Schreiben: Braucht der Text wirklich so viele Personenbeschreibungen oder sind Menschen an dieser Stelle nicht wichtig? Beispiele: »Die Polizist*innen waren sofort zur Stelle.« wird zu: »Die Polizei war sofort da.« »Mein Lieblingsbäcker backt die besten Brötchen.« wird zu: »In meiner Lieblingsbäckerei gibt es die besten Brötchen.« Das ist eine von vielen guten Ideen, die einen Besuch bei Genderleicht.de lohnen. ››› Gastbeitrag Rebecca Beerheide, Beirat für Genderleicht.de, und Christine Olderdissen, Projektleiterin Genderleicht.de EINFACH IM SMOOTHIE MACHT AUS IHREM SHAKE EINE LECKERE LIMO Genderleicht.de Genderleicht.de ist ein Service für alle, die Texte schreiben, Audios oder Videos produzieren oder sich mit geschlechtergerechten Bildern auseinandersetzen. Das Portal bündelt den aktuellen Stand der Sprachforschung, zeigt Anwendungsbeispiele, bietet fachlichen Rat und praktische Tools für die Arbeit in Medien. Der Journalistinnenbund erhält für sein Projekt eine Förderung durch das Bundesfamilienministerium. KÖSTLICH IM SALAT

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