Aufrufe
vor 1 Jahr

Alnatura Magazin April 2020

  • Text
  • Ostersortiment
  • Bauernhoefe
  • Babysortiment
  • Ei
  • Aktuelles
  • Lubs
  • Restekueche
  • Gepa
  • Ostern
  • Rhabarber
Osterrezepte rund ums Ei // Warenkunde & Rezepte: Rhabarber // Hersteller-Reportage: GEPA

ALLE FÜRS KLIMA

ALLE FÜRS KLIMA Lebensmittel im Müll – Verschwendung heizt das Klima auf Alles dreht sich ums Klima, den Klimawandel, die Emission klimaschäd licher Gase. Woher Letztere kommen, wohin sie gehen, wer sie verursacht, wie man sie vermeidet. In dieser Serie widmen wir uns monatlich einem klimarelevanten Ernährungsthema. Diesmal geht es darum, was der achtsame Umgang mit Lebensmitteln mit Klimaschutz zu tun hat. Die Buchführung ist mustergültig: Immer neue Studien berechnen die Lebensmittelverschwendung in Deutschland und Europa. Die Wissenschaft will es genauer wissen, als es die alte Faustregel – ein Drittel aller Lebensmittel wird weggeworfen – besagt. Dazu werden Mülleimer und Bio-Tonnen auf Lebensmittelreste untersucht, Verbraucherinnen und Verbraucher befragt, Wareneingang und -ausgang der Supermärkte geprüft, Computer mit Zahlenreihen gefüttert. Bis auf die zweite Kommastelle hat das Thünen- Institut zuletzt den weggeworfenen Überfluss berechnet. Danach landen jährlich in Deutschland 11,86 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Hauptangeklagte sind weiter die Verbraucherinnen und Verbraucher, die für 6,14 Millionen Tonnen verantwortlich gemacht werden, das entspricht mehr als der Hälfte aller Lebensmittelabfälle: 75 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Daneben tragen auch die landwirtschaftlichen Betriebe als Erzeuger, Handel, Lebensmittelverarbeitung, Gastronomie und Außer- Haus-Versor gung reichlich zum Abfallberg bei (siehe Grafik). Seit einigen Jahren macht die große Verschwendung auch als politisches Thema Karriere. Sie soll bis 2030 halbiert werden, so die deckungsgleichen Ziele von Bundesregierung, EU und UN. Meist wird mit ethisch-moralischem Blick auf die Ressourcenvergeudung geschaut. Auch die enormen ökonomischen Verluste werden hochgerechnet. Dass die Verschwendung aber auch die Erderwärmung anheizt, ist noch nicht überall durchgedrungen. Als Klimakiller Nummer eins in Sachen Ernährung gilt unser großer Fleischkonsum. Doch der riesige Abfallberg an weggeworfener Nahrung ist ebenfalls in hohem Maß klimarelevant. Lebensmittel, die in unserem Vorratsschrank landen, haben nämlich einen Fußabdruck, also reichlich Klimagase auf ihrem Konto. Denn bei jedem Glied der Nahrungsmittelkette, vom 11,86 Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich in Deutschland im Müll. 18 % Verarbeitung 14 % Außer-Haus-Verzehr 12 % Landwirtschaft 4 % Handel Acker bis zum Teller, werden Treibhausgase erzeugt: in der Landwirtschaft, bei der Verarbeitung der Lebensmittel, bei der Verpackung, beim Transport, bei der Auslieferung und Kühlung, zu Hause beim Kochen und schließlich beim Entsorgen der Reste. Umso wichtiger wäre es, Lebensmittel vollständig zu nutzen, anstatt sie wegzuwerfen. Der Weltklimarat hat in seinem letzten Gutachten dem Thema Ernährungssicherheit ein langes Kapitel gewidmet. Kernsatz: »Wenn wir Nahrungsmittel-Verluste und Verschwendung reduzieren, dann 52 % Haushalte 6,14 Millionen Tonnen Lebensmittel werfen die Menschen in Deutschland weg. Das entspricht 75 Kilogramm Lebensmitteln pro Kopf. 38 Alnatura Magazin April 2020

Vertragshöfe mit Großabnehmern bauen über ein Drittel Überschuss an, damit sie in jedem Fall hundert Prozent ihrer Vertrags verpflichtungen einhalten können. reduzieren wir auch die Treibhausgas- Emissionen und den Bedarf an zusätzlichen landwirtschaftlichen Flächen, um überschüssige Nahrungsmittel zu erzeugen.« Ein Weniger an Verschwendung würde außerdem der weltweiten Ernährungssicherheit und dem Kampf gegen Hunger helfen. »Wenn wir Nahrungsmittel- Verluste und Verschwendung reduzieren, dann reduzieren wir auch die Treibhausgas- Emissionen und den Bedarf an zusätzlichen landwirtschaftlichen Flächen, um überschüssige Nahrungsmittel zu erzeugen.« Aus dem Gutachten des Weltklimarats Die enge Verbindung zwischen Lebensmitteln und Klima hat noch eine ganz andere Seite: Die Erdüberhitzung durch den Klimawandel gefährdet mit Dürren und Extremwetterlagen wiederum direkt die Lebensmittelerzeugung der Landwirtschaft. Die Folgen können Verknappung von Nahrungsmitteln sein, Qualitätseinbußen und Preisexplosionen, die direkt die Menschen treffen. Umso wichtiger ist es, Treibhausgase durch Lebensmittel- Verschwendung zu verringern. Auch die Überproduktion an Lebensmitteln führt zu Verschwendung und ist, wie die Bewegung Slow Food Deutschland kritisiert, fester Bestandteil unseres Ernährungssystems, das auf schnellen Warenumschlag und ein Überangebot baut. Vertragshöfe mit Großabnehmern bauen zudem bis zu 40 Prozent mehr an, damit sie hundert Prozent ihrer Vertragsverpflichtungen einhalten können. Da wird also bereits ganz am Anfang, fast noch bevor ein Saatkörnchen in den Boden gepflanzt wird, mit über einem Drittel Überschuss geplant, damit im Falle von schlechter Witterung oder Schädlingsbefall die hundert Prozent für die Vertragspartner geerntet werden können. Die Studie des Thünen-Instituts rechnet vor, dass etwa die Hälfte unserer Abfälle Vergeudung ist, weil die Lebensmittel zum Zeitpunkt des Wegwerfens noch uneingeschränkt genießbar waren oder bei rechtzeitigem Verzehr genießbar gewesen wären. Das sture Festhalten am Mindesthaltbarkeitsdatum ist nach wie vor ein Treiber für die Vernichtung wertvollen Essens. Fast ein Drittel (28 Prozent) der in den Supermärkten entsorgten Lebensmittel landen nur wegen überschrittenen Haltbarkeitsdatums im Müll. 56 Prozent der aussortierten Waren zeigen leichte optische Mängel. Zusammen wären also 84 Prozent der Abfälle im Handel noch genießbar. Sucht man bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern nach Gründen für die Verschwendung, wird oft eine schlechte Haushaltsplanung verantwortlich gemacht, aber auch die mangelnde Wertschätzung von Lebensmitteln und ihr geringer Preis. Sozialforscherinnen und -forscher erinnern daran, dass in unserer Wegwerf- und Konsumgesellschaft der hohe Verbrauch von Gütern allgegenwärtig und Kennzeichen unserer Einkaufskultur ist. Das gilt nicht nur für Kleidung Das können Sie im Alltag tun • Einkaufszettel helfen, nur die Lebensmittel zu kaufen, die Sie wirklich benötigen und nutzen. • Lagern Sie die Lebensmittel richtig – sowohl in der Vorratskammer als auch im Kühlschrank. • Vertrauen Sie Ihren Sinnen statt blind dem Mindesthaltbarkeitsdatum. • Alle essbaren Teile verwenden – sowohl von Pflanzen als auch von Tieren. • Machen Sie Lebensmittelüberschüsse haltbar, etwa durch Fermentieren. Weitere Infos finden Sie unter slowfood.de oder Gebrauchsgüter, sondern auch für Lebensmittel. Das Haben-Wollen von möglichst vielen appetitlichen Waren reicht bis zum Suchtverhalten. Wir sollten uns klarmachen: Die Klimakrise, das sind nicht nur qualmende Kohlekraftwerke und kraftstoffintensive SUVs. Das sind auch überquellende Einkaufswagen mit Lebensmitteln, von denen zwölf Prozent im Müll landen, ohne dass sie benutzt, teilweise nicht einmal ausgepackt werden. ››› Gastbeitrag Slow Food e. V. Slow Food e. V. begeistert Verbraucherinnen und Verbraucher seit über zehn J ahren für krummes Gemüse und überzeugt sie bei verschiedenen Aktionen und Bildungsprojekten davon, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Alnatura Magazin April 2020 39

digitale Sammlung

Neu eingetroffen

© 2021 by Alnatura