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Teil 9/12: Kunst

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Anthroposophische Perspektiven - In dieser Aufsatzreihe stellen Autoren beispielhaft Perspektiven der Anthroposophie auf das Lebensgebiet ihrer Berufspraxis vor.

Farbenkreis zur

Farbenkreis zur Symbolisierung des menschlichen Geistes- und Seelenlebens, J. W. von Goethe, Feder mit Tinte, aquarelliert, November 1809 © Frankfurter Goethe-Haus – Freies Deutsches Hochstift Dieses Phänomen zeigt sich bei Morgen- und Abendröte, indem die Sonne (Licht) durch eine mehr oder weniger dichte Atmosphäre (verdunkelnde Trübe) gesehen wird und gelb bis rot erscheint, und beim Himmelsblau, indem der dunkle Weltraum (Finsternis), durch eine mehr oder weniger aufgehellte Atmosphäre (aufhellende Trübe) gesehen, blau bis violett erscheint. Goethe stellt das Erscheinen der »physischen Farben« als Hell-Dunkel- Geschehen dar. Im Kapitel »Allgemeine Ansichten nach innen« entwickelt er einen Farbkreis, in dem es zwei »Gleichgewichtspunkte« gibt: Grün zwischen Gelb und Blau als ihre Mischung und Purpur zwischen Orange und Violett als »Steigerung«: Bei Zunahme der Trübe wird Gelb zum Rot gesteigert, bei Abnahme der Trübe Blau zum Violett (Purpur ist ein zwischen warmen und kalten Farben ausgewogener Rotton). Goethes Anliegen ist es, eine Totalität (Ganzheit) zu entwickeln. Der Kreis ist das Sinnbild dafür. 4

EINE STEINERSCHE FARBENLEHRE Im Mai 1921 entwickelt Rudolf Steiner in drei Vorträgen für Maler so etwas wie eine eigene Farbenlehre. Im ersten Vortrag leitet er diese ein mit einem »ideellen Experiment«: Die Zuhörer sollen mithilfe von drei Flächenkombinationen, die an der Tafel gezeichnet wurden – die erste in Grün-Rot, die zweite in Grün-Pfirsichblüt und die dritte in Grün-Blau –, den jeweiligen Empfindungskomplex innerlich verdeutlichen. Um das tun zu können, empfiehlt Rudolf Steiner die »Umwandlung« in eine Fantasievorstellung: Es gehen rot, pfirsichblütfarben und blau gekleidete Menschen über eine grüne Wiese. »Was wird aus einer grünen Wiese, wenn rote Menschen darauf herumgehen? Sie wird noch grüner, sie wird ganz real in ihrer Grünheit. … Aber die roten Menschen, sie verursachen ein solches Leben in der Grünheit, dass ich mir das nicht ruhig vorstellen kann; sie müssen eigentlich herumlaufen.« – »Die Menschen, die so sind wie diese Pfirsichblütigen, die können ruhig da drinnenstehen; wenn sie stundenlang stehen, so geniert mich das weiter nicht.« – »Denn dieses Blaue der Menschen in der grünen Wiese, das dämpft mir diese ganze grüne Wiese ab. Die Wiese wird abgelähmt in ihrer Grünheit … die nehmen sie mit, die führen sie weg. Sehen Sie, das ist Farbenerlebnis« (Vortrag vom 6. Mai 1921). Anschließend an das ideelle Experiment führt Rudolf Steiner ein in sich geschlossenes System der Bildfarben ein. Wie Goethe entfaltet er eine Reihe von Verhältnissen, die durch einen Kreis oder Kreislauf versinnbildlicht werden. Dieser enthält vier Farben, die als je einem Weltbereich zugehörig dargestellt werden: Grün als die vorherrschende Farbe der Pflanzenwelt, Pfirsichblüt oder Inkarnat als die menschliche Hautfarbe, Weiß und Schwarz als Repräsentationen des Lichts beziehungsweise der Finsternis. Grün erscheint an der Pflanze – besonders am Laubblatt – physisch, ist aber gleichzeitig Ausdruck ihrer Lebendigkeit. Grün wird deshalb als das tote Bild des Lebens bezeichnet. Die menschliche Hautfarbe lässt sich nicht auf einen bestimmten Farbton festlegen, auch nicht beim einzelnen Menschen. Die Dichte und Eindeutigkeit des Grüns, wie es am Laubblatt erscheint, nimmt sie nie an. Im Gegenteil, wenn man sie aufmerksam beobachtet, stellt man fest, dass sie ständig in einer fast unmerklichen »Bewegung« begriffen ist und einen Hauch von grünlicher oder rötlicher Nuancierung annehmen kann. Einem feineren Beobachten zeigt sie sich als Ausdruck der seelischen Befindlichkeit: Inkarnat wird als lebendiges Bild der Seele bezeichnet. Bei Weiß und Schwarz steht der Bezug zu Licht und Finsternis außer Frage. Und doch ist Weiß nicht einfach gleichzusetzen mit Licht. Gerade im Gegensatz zur Durchsichtigkeit des Lichts, das alles sichtbar macht und selbst unsichtbar bleibt, fällt die Dichte und Undurchdringlichkeit des Weiß besonders auf. Dies, verbunden mit der eigentümlichen Neutralität oder auch Vollkommenheit Im Gegensatz zur Durchsichtigkeit des Lichtes, das alles sichtbar macht und selbst unsichtbar bleibt, fällt die Dichte und Undurchdringlichkeit des Weiß besonders auf. des Weiß, wirft den Betrachter auf sich zurück. Das Erlebnis des »Auf-sich-zurückgeworfen-Werdens« ist ein seelisches, verweist aber über sich hinaus auf das »Zusich-Kommen«, ein (geistiges) Ich-Erlebnis: Das Verbindende in den Welteindrücken, die als Erinnerung, als Fantasievorstellung oder aktuell als Sinneseindruck in mir leben, bin ich; der Zusammenhang zwischen den Inhalten und Erlebnissen wird von mir gebildet. Dieses Doppelerlebnisses wegen wird Weiß als das seelische Bild des Geistes bezeichnet. Das Erlebnis der Dichte kann am Schwarz noch gesteigert erlebt werden, wobei gleichzeitig die Tiefe des Schwarz eine Faszination und Anziehungskraft ausüben kann. In der Gegenbewegung zu diesem Hineingezogen- Werden taucht wiederum ein Erlebnis des Zu-sich-Kommens auf, das sich am Schwarz zur Anforderung des Sich-im-Gegenüber-halten-Könnens konturiert. Es bildet die Fähigkeit, etwas in den Blick nehmen zu können, das einem vollkommen fremd ist und das eine seelische Verbindung verwehrt. So steht der Mensch dem Toten in der Welt gegenüber: Schwarz wird als das geistige Bild des Todes bezeichnet. Damit ist der Kreislauf in sich gerundet. »Im Geiste und im Seelischen schließt sich alles zusammen« (Vortrag vom 7. Mai 1921). – Wie bei Goethe. Rudolf Steiner erweitert im zweiten Vortrag vom 7. Mai 1921 diesen Farbkreis um die noch fehlenden Farben Rot, Blau, Gelb und Orange. BETRACHTUNGEN ZUR STEINERSCHEN FARBENLEHRE Am Experiment zeigt Rudolf Steiner, dass die Empfindung sich loslösen oder befreien kann vom unmittelbaren Sinneseindruck durch die oder in der seelischen Verbindung mit der Farbe. Die Farbe kann Bewegungseindrücke vermitteln, die nicht physischer Natur sind, je den falls was die Farben Rot und Blau angeht. Inkarnat KUNST 5

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