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Teil 8/12: Ökologie

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Anthroposophische Perspektiven - In dieser Aufsatzreihe stellen Autoren beispielhaft Perspektiven der Anthroposophie auf das Lebensgebiet ihrer Berufspraxis vor.

DREIGLIEDRIGE ÖKOLOGIE

DREIGLIEDRIGE ÖKOLOGIE Ein erstaunlicher Tatbestand: Rudolf Steiner formuliert als Ergebnis gründlicher geistes- und naturwissenschaftlicher Studien die Idee der physiologischen Dreigliederung des menschlichen Organismus ebenso wie die des »Sozialen Organismus«. Und gleichzeitig wird auf völlig andersartige Weise die Dreigliederung als überall vertretene, grundlegende Ordnung unterschiedlichster artenreicher biologischer Lebensgemeinschaften von Vertretern ökologischer Feldforschung gefunden. Diese Übereinstimmung besteht darin, dass in pflanzlichen Gemeinschaften durch die Produzenten eigene organische Substanzen aufgebaut und (im Generationenund Jahreszeitenwechsel) ständig erneuert werden: Stoffwechsel! Davon leben die Konsumenten, der Mensch und die Tiere, die ihrerseits einen erheblichen »ordnenden« Einfluss auf die Zusammensetzung der Artenvielfalt haben. Die gesamten Abbauprodukte werden schließlich durch die Destruenten – Pilze und Mikroben – wieder an den Anfang des natürlichen Kreislaufes zurückgeführt. Am Beispiel der Gewässer beschreibt einer der namhaften Erforscher dieser Zusammenhänge, Alfred Thienemann (1956), den Kreislauf mit den folgenden Worten: »Wenn also im See auch drei einzelne Lebensbezirke unterschieden werden müssen, Ufer, freies Wasser und Tiefe, so stehen diese doch nicht zusammenhanglos nebeneinander; der Kreislauf der Stoffe verbindet alle drei Glieder zu einem Ganzen, das Die Produzenten bauen eigene organische Sustanzen auf und erneuern diese ständig – Stoffwechsel. Davon leben die Konsumenten, der Mensch und die Tiere, die ihrerseits einen erheblichen »ordnenden« Einfluss auf die Zusammensetzung der Artenvielfalt haben. Die Abbauprodukte werden durch die Destruenten – Pilze und Mikroben – wieder an den Anfang des natürlichen Kreislaufes zurückgeführt. 4 über ihnen steht, dem See« 4 : Die oberste, durchlichtete Sphäre ist diejenige des vegetativen Aufbaus, der organischen Produktion; die anschließende mittlere wird vor allem von den davon lebenden Konsumenten – also den tierischen Bewohnern, vom Fisch bis hin zu den einzelligen Amöben – besiedelt; in der lichtlosen, sauerstoffarmen Tiefenzone schließlich vollziehen sich Abbau und Freisetzung der Nährstoffe und deren Rückführung zu den Produzenten. Und wenig später, nach Einführung des Begriffes der Biozönose, der »Lebensgemeinschaft«, formuliert der Forscher: »So ist Gemeinschaft die Lebensform der Natur!« Wo bleibt da Darwins Kampf ums Dasein? Dieser erweist sich, wie eingangs erwähnt, als unerlaubte Projektion aus einer gänzlich anderen Sphäre und hat in Lebensprozessen der Natur nichts zu suchen. Eine bessere Widerlegung von Darwins Kampf ums Dasein als diese Feststellungen erfahrener Forscher ist kaum denkbar. DREIGLIEDRIGE TIERBEZIEHUNGEN Auch die verschiedenen Tierarten eines bestimmten Gebietes unterliegen dreigliedrigen Ordnungen, die entscheidend für das jeweilige ökologische Gleichgewicht sind und die Existenz übergreifender Gestaltungskräfte zeigen. So sind etwa die Beziehungen zwischen den verschiedenen Säugetierarten eines Biotops dreigliedrig strukturiert – den Wiederkäuern (beispielsweise Rehe, Hirsche) als Vertretern der Stoffwechsel-Gliedmaßen- Gruppierung, andererseits den Nagetieren, Hasen und anderen Repräsentanten des Sinnesnerven-Typs, und endlich den Raubtieren vom Wiesel bis zum Wolf, die den »rhythmischen« Part vertreten 5 . Letztere als »Feinde« der beiden anderen Gruppen zu betrachten (wie leider immer noch allgemein üblich), ist widersinnig – in Wirklichkeit spielen die Raubtiere als Vertreter der mittleren, der »rhythmischen« Gruppierung die entscheidende Rolle als Wahrer des Gleichgewichtes der anderen beiden Verwandtschaftskreise. Beispiele dafür gibt es in Fülle. So etwa im Fall der seinerzeitigen Degeneration des Waldes durch Verschwinden des Jungwuchses im Yellowstone Nationalpark der USA: Der Grund war, völlig unerwarteterweise, die Beseitigung der Wölfe, vor denen sich die Besucher geängstigt hatten, durch die Parkverwaltung: Als deren Folge vermehrten sich die Hirsche, die einstigen Beutetiere. Sie weideten den Jungwuchs derart ab, dass kaum noch Bäume aufkommen konnten. Als man daraufhin erneut Wölfe ansiedelte, erholte sich der Wald langsam wieder. – Nach dem Ende 4 A. F. Thienemann (1956): Leben und Umwelt. Vom Gesamthaushalt der Natur, in: Rowohlts deutsche Enzyklopädie, Hamburg 1956. 5 W. Schad (1971): Säugetiere und Mensch, 2. Auflage, Stuttgart 1985 (Neuaflage in Vorbereitung); A. Suchantke (2009): Dreigliederung, Synorganisation und Co-Evolution, in: Die Drei 1/09: S. 23–31.

»Was ist der physische Leib des Menschen? Er ist der Leib, der den Kräften unterworfen ist, die zum Mittelpunkt der Erde hinführen. Was ist der Ätherleib des Menschen? Er ist dasjenige im Menschen, was den Kräften unterworfen ist, die von überall her aus der Peripherie des Universums hereinkommen.« Rudolf Steiner im Vortrag am 30. Dezember 1923 des Zweiten Weltkrieges hatten die Besatzungsmächte in Deutschland den Besitz von Schusswaffen verboten; damit fielen die Jäger als »Raubtier-Ersatz« aus, woraufhin Rehe und Wildschweine sich in manchen Gegenden so stark vermehrten, dass keine geregelte Land- und Forstwirtschaft mehr möglich war. (Bemerkenswert, dass damals die eigenständige Wiedereinwanderung von Wölfen aus Osteuropa begann – offensichtlich versuchte der dreigliedrige Säugetier-Organismus das entstandene Vakuum auszugleichen.) All diese Beispiele – die sich beliebig erweitern ließen – zeigen zur Genüge, dass die Dreigliederung das überzeugende wirklichkeitsgemäße Konzept für ein vertieftes Verständnis und einen darauf fußenden sinnvollen Umgang mit der belebten Natur darstellt. DER DREIGLIEDRIGE ÜBERORGANISMUS Angesichts der erstaunlichen Übereinstimmung zwischen den völlig unabhängig voneinander gewonnenen Einsichten der frühen Ökologen und Begriffen aus der Anthroposophie stellt sich die Frage, ob wir es mit einer Sternstunde der neuzeitlichen Kulturentwicklung zu tun haben, gleichsam offen wie ein Fenster für das Erkennen grundlegender Evolutionsprozesse, die auf enge Zusammenhänge von Welt-(Natur-) und Menschheitsentwicklung hinweisen. Und schließlich: Wie konnte es überhaupt zur Formulierung des zuvor völlig unbekannten Begriffes der Dreigliederung kommen? In seiner tief greifenden Biografie, die vor allem der inneren Entwicklung Rudolf Steiners gewidmet ist, geht Christoph Lindenberg ausführlich auf die Entdeckung und darauffolgende Ausarbeitung der Dreigliederungsidee ein 6 . Er zitiert dabei Rudolf Steiner mit dem überraschenden Hinweis: »… wahrgenommen konnte sie 6 Chr. Lindenberg (1997): Rudolf Steiner. Eine Biographie, Band II: 1915–1925, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1997. ÖKOLOGIE 5

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