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Teil 8/12: Ökologie

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Anthroposophische Perspektiven - In dieser Aufsatzreihe stellen Autoren beispielhaft Perspektiven der Anthroposophie auf das Lebensgebiet ihrer Berufspraxis vor.

EINFÜHRUNG Goethe

EINFÜHRUNG Goethe (1749–1832) war ein Meister der anschauenden Urteilskraft. Er betrachtete Naturzusammenhänge nicht statisch, sondern dachte sie dynamisch, in Entwicklung befindlich. Ein von ihm entdecktes Prinzip ist das von Polarität und Steigerung. Zwischen zwei Polen liegen Welten, die beiden Gegensätze scheinen unversöhnbar. Die Suche nach dem Dritten, zu dem beide Pole beitragen, bringt die Sache wieder in Bewegung, ermöglicht Steigerung und Weiterentwicklung. Die nach Goethe benannte Forschungsmethode des Goetheanismus – gepflegt besonders von anthroposophisch orientierten Wissenschaftlern – knüpft daran an. Sie beobachtet die Phänomene so genau es geht und sucht, das Wesenhafte des betrachteten Gegenstands immer besser zu verstehen. Eine solche Forschungsmethode ist dem Lebendigen – sei es als einzelner Organismus, sei es als Element des Naturhaushalts, der Ökologie – besonders angemessen, liegt dort die Herausforderung doch darin, das Lebendige, sich Wandelnde, Bewegliche zu verstehen, nicht das Starre, Tote. Die Ökologie ist eine noch junge Wissenschaft. Als ihr Entdecker gilt der Limnologe und Gewässerökologe August Friedrich Thienemann (1882–1960). Ebenfalls mit dem Wasser, mit ökologischen Zusammenhängen und ihren durch den Menschen verursachten Schädigungen, bezogen auf Küste und Meer, befasste sich die Amerikanerin Rachel Carson (1904–1967). Ihr Buch »Silent Spring« von 1962 gilt als ein wesentlicher Startpunkt der Umweltbewegung, nicht nur in den USA. Der Biologe, erfahrene Pädagoge und Waldorfdozent Andreas Suchantke legt im folgenden Beitrag dar, welche Impulse das Konzept der Dreigliederung der ökologischen Forschung geben kann. ››› Manon Haccius I M P R E S S U M Anthroposophische Perspektiven / Zwölfteilige Serie Teil 8: Ökologie – Die mehrmalige Entdeckung der Dreigliederung Autor: Andreas Suchantke Herausgegeben von: Manon Haccius, Alnatura Produktions- und Handels GmbH, Darmstädter Straße 63, DE-64404 Bickenbach, www.alnatura.de Copyright © 2011 by Alnatura Produktions- und Handels GmbH, Bickenbach Gestaltung: usus.kommunikation, Berlin Abbildungen: Rudolf Steiner Archiv, Dornach; Helmut Hergarten (8, Porträt) Verlag: mfk corporate publishing GmbH, Prinz-Christians-Weg 1, DE-64287 Darmstadt Druck: alpha print medien AG, Darmstadt Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, verboten. Kein Teil des Werks darf ohne schriftliche Genehmigung in irgendeiner Form reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme oder Datenträger verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Jede Verwertung ist ohne die Zustimmung des Herausgebers und des Autors unzulässig. 2

DIE MEHRMALIGE ENTDECKUNG DER DREIGLIEDERUNG ANDREAS SUCHANTKE Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird das Prinzip der Dreigliederung nahezu gleichzeitig und völlig unabhängig voneinander in grundverschiedenen Bereichen des Lebendigen entdeckt. Man kann das mit Recht als Ausdruck für die umfassende Gültigkeit der Dreigliederung verstehen. Der Begriff der Dreigliederung gilt im darwinistischen Denken grundsätzlich als inakzeptabel, er verstößt gegen das Dogma des Zufalls, da er so etwas wie eine immanente Ordnung impliziert. Stattdessen wird der Begriff des »Kampfes ums Dasein« vertreten, in dessen Verlauf sich als Ergebnis zielblinder Evolutionsprozesse das Lebenstüchtigste durchsetzt. In Wirklichkeit jedoch ist diese bis heute kaum hinterfragte Lehrmeinung reiner Anthropomorphismus, sie stellt nachweislich die Übertragung gesellschaftlicher Kämpfe während der beginnenden Industrialisierung auf die belebte Natur dar. 1 EIN PHÄNOMEN DER NEUZEIT Erst um die Wende zum 20. Jahrhundert gelangte der Begriff der Dreigliederung in den Bereich menschlichen Denkens und Betrachtens, und das nicht nur einmal, sondern erstaunlicherweise mindestens zweimal völlig unabhängig voneinander, spontan und vor allem ohne jeglichen Bezug zum herrschenden naturwissenschaftlichen Weltbild. Die Entdeckung der Dreigliederung war offensichtlich reif, sie war fällig. Da ist zum einen die erstmalig von Rudolf Steiner entdeckte anatomisch-physiologische Dreigliederung des Menschen in den Sinnesnerven-Pol, den »rhythmischen« 1 A. Suchantke (2009): Der Januskopf des Darwinismus, in: Das Goetheanum 5/09: S.11–12. In seiner ausführlichen Darwin- Biografie im Rahmen der rororo-Monographien (14. Auflage 2004) vertritt Johannes Hemleben die irrtümliche Auffassung, Darwin hätte seine Theorie des »Überlebens des Tüchtigsten im Kampf ums Dasein« von dem zeitgenössischen Philosophen Spencer übernommen. Darwin selbst betont jedoch wiederholt, dass seine eigene Theorie Ergebnis der Lektüre des damals allenthalben diskutierten gesellschaftskritischen Werkes »Essay on the Principles of Population« von Thomas Malthus sei: »This is the doctrine of Malthus [die den gesamten Darwinismus bereits in nuce enthält], applied to the whole animal and plant kingdoms.« Noch deutlicher wird er an anderer Stelle: »1838 las ich zur Entspannung das Buch von Thomas Robert Malthus …, und gut darauf vorbereitet, den ›Kampf ums Dasein‹ zu akzeptieren, überzeugte es mich, dass unter diesen Umständen begünstigte Arten erhalten blieben und weniger günstige ausgerottet würden … Damit hatte ich eine Theorie, mit der ich arbeiten konnte!« (Übersetzung aus: Ch. Darwin: The Life and Letters of Charles Darwin, London 1887). Um die Wende zum 20. Jahrhundert gelangte der Begriff der Dreigliederung gleich mehrmals in den Bereich menschlichen Denkens und Wahrnehmens. Bereich von Kreislauf und Atmung sowie den Stoffwechsel-Gliedmaßen-Pol – zwei um eine verbindendausgleichende Mitte gruppierte, in ihren Aktivitäten antagonistische und sich gerade dadurch ergänzende Zentren (aufbauend und unbewusst das eine, zehrend und Bewusstheit ermöglichend das andere 2 ). Analoges spielt sich auf der sozialen Ebene ab: Von der anfänglichen Führung durch höhere geistige Mächte und deren Abbild in der hierarchisch gegliederten irdischen Gesellschaftsstruktur geht die Entwicklung in die Selbstbestimmung und in die »von unten« aufgebaute, in lebendiger Entwicklung begriffene moderne und zukunftsoffene Gemeinschaft über. Rudolf Steiner ist der Entdecker und wissenschaftliche Deuter dieses Überganges von der ursprünglichen Trinität in die Dreigliederung einer geistgemäßen sozialen Ordnung und damit gewissermaßen deren »Erdung«. Er charakterisiert die im gegenwärtigen Zusammenleben der Menschen gültigen fundamentalen Bereiche des Geisteslebens, des Wirtschafts- und des Rechtslebens – Sphären, in die jeder auf individuelle Weise eingebunden ist. Insgesamt ist es ein Organismus – ein sozialer –, dessen Organe sich gegenseitig bedingen. 3 Entsprechend verhält es sich mit den überraschenden Parallelen, die sich annähernd gleichzeitig auf einem anderen relativ jungen, ideologisch noch unbelasteten naturwissenschaftlichen Feld zeigen. Gemeint ist die seinerzeit – zu Beginn des 20. Jahrhunderts – noch junge, in voller Entfaltung stehende Wissenschaft vom Zusammenleben der Organismen: die Ökologie. 2 R. Steiner (1919): Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik (GA 293). 3 R. Steiner (1919): Die Kernpunkte der Sozialen Frage (GA 23). ÖKOLOGIE 3

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