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Teil 7/12: Eurythmie

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Anthroposophische Perspektiven - In dieser Aufsatzreihe stellen Autoren beispielhaft Perspektiven der Anthroposophie auf das Lebensgebiet ihrer Berufspraxis vor.

Der Mensch ist ein

Der Mensch ist ein vieldimensionales Wesen, er vereinigt in sich Stoffe, die durch den ständig stattfindenden Stoffwechsel in einem lebendigen Zusammenhang gehalten werden. Dieser Zusammenhang konstituiert den lebendigen Organismus, lässt ihn in stetem Wandel wachsen, sich entwickeln und bei Verletzungen heilen, und steht in engem Zusammenhang mit der Natur um uns herum. Jeder Organismus hat ganz charakteristische Qualitäten: Der menschliche läuft aufrecht auf der Erde, hat einen mit der Schwerkraft kommunizierenden Bauplan in Skelett und Muskulatur der Beine mit enormer äußerer Beweglichkeit. Er hat in der Regel den Kopf oben, der wesentlich weniger äußere, dafür starke innere Beweglichkeit zeigt, waches Bewusstsein, Denken und einen starken Bezug zu den aktiven Sinnen, zum Beispiel Augen und Ohren. In der Mitte des menschlichen Organismus, im Rumpf, liegen die inneren Organe, sind die Organe für Puls und Atem und sphärisch bewegliche Arme, die, befreit von der Schwerkraft, seelischen Ausdruck möglich machen. Dieser spezifisch menschliche Organismus in seiner belebten Vielgliedrigkeit, in Balance zwischen Schwerkraft und Umkreis, mit qualitativ sehr unterschiedlich bewegbaren Gliedmaßen, mit unendlichen Möglichkeiten seelischen Ausdrucks und geistiger Sinngebung, ist das Instrument des Eurythmisten. Alle eurythmischen Bewegungen werden aus diesem qualitativen inneren Zusammenhang von Strukturen, Kräften und Bezügen entwickelt. Eurythmie ist immer auf allen Ebenen tätig: körperlich in Bewegung, energetisch im Fließen, Stauen, Auflösen, Zusammenballen von kinetischer lebendiger Kraft, emotional in der Wahrnehmung und Durchsetzung der Bewegung mit Empfindung, Gefühl und Ausdruck, sowie intentional mit einer steten Sinnstiftung innerhalb der Bewegungsfolgen und Choreografien. Diese Bewegungsform ermöglicht vom elementarsten Stadium in der Arbeit mit Amateuren bis zur komplexen professio- AUSBILDUNG UND STUDIUM Gedanken von Stefan Hasler, Leiter des Fachgebiets Eurythmie an der Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn: »Fort«-Bewegung, die einfach von einem Ort zum anderen geht – das ist eine Qualität. Bewegung, die sich zwischendurch verändert, zeigt etwas ganz anderes. Erst durch eine Veränderung ist Aktivität, Seele, Umstellung gefragt. Das ist für mich wirkliche innere Bewegung. Bewegung des Geistes kann nur so sein. Insofern partizipieren wir an etwas Spirituellem, wenn wir uns der Veränderungen bewusst werden, wenn wir Veränderungen bewusst gestalten. Eurythmieausbildung ist zunächst einmal die Ausbildung einer Persönlichkeit. Wir wollen heute eigenständige, selbstständige innovative Bürger. Genau dies wird den ganzen Tag durch Bewegung, Musik und Sprache geübt. Philosophie und Anthroposophie geben die Grundlage dazu. Die ganze Welt ruft nach Prozessorientierung. Das ist das wichtigste Thema in der Eurythmie. Damit beruflich tätig zu sein, heißt wirklich in der Gegenwart aktiv zu sein und für die Zukunft zu gestalten. Eurythmie ist ein Beruf mit einhundert Prozent Aussicht auf Arbeit. Jede Richtung ist möglich. Ein eigenes Berufsbild, das man sich ganz individuell selbst formt, ist genauso möglich wie feststehende klare Berufsbilder, zum Beispiel eines Eurythmielehrers an der Waldorfschule, eines Eurythmietherapeuten an einem Klinikum. Für diese weite Spanne bilden wir durch ein differenziertes, modernes Bachelor- und Masterprogramm aus. Jede Eurythmieausbildung hat ihr eigenes Profil. Gespräch mit Eva-Maria Koch, Studentin im dritten Ausbildungsjahr an der Alanus Hochschule in Alfter: Warum studierst Du Eurythmie? Ich habe mich in der 13. Klasse während des Abiturs ohne Kunst nicht wie ein Mensch gefühlt. Mir hat echt was gefehlt, und ich wusste plötzlich, dass das, was mich geformt, mir Freude gebracht, mich hat wachsen lassen, die Kunst, das Theaterspielen war, und dann war klar: Ich will so was mit Menschen machen. So viele haben oder kennen das gar nicht … Das muss (s)ich ändern. Es gibt so viel mehr. Es bringt mich zu mir, macht mich wach für die Welt, lässt mich nicht »egal« sein! Mich hat zu der Zeit unglaublich aufgeregt, dass so viele Menschen schlafen, dass ihnen so vieles egal ist! Und hast Du gefunden, was Du gesucht hast? Ich habe das Gefühl, durch die Eurythmie wie durch verschiedene Schichten tiefer in die Welt zu kommen. Die Welt wird immer reicher, ich sehe, höre, fühle immer mehr, immer differenzierter, feiner, vielfarbiger! Ich lerne mich kennen: körperlich, emotional, fühlend und frei spielend. Ich gehe Fragen nach: Wer bin ich, wer will ich sein, wie sehen mich andere, wie kann ich mich zeigen, will ich mich zeigen? Interessant dabei ist, dass ich mit meinen Bedürfnissen dabei nicht direkt im Vordergrund stehe, sondern sich das alles an einem Inhalt, dem Musikstück, dem Gedicht, einer Bewegungsform entzündet. Das bedeutet: Balance finden in mir, mit mir und dem Inhalt, mit den anderen aus der Gruppe. Und auch: Entscheidungen zu treffen. Und was möchtest Du nach dem Abschluss unternehmen? Ich schwanke zwischen den Möglichkeiten, anderen Menschen dieselben Erfahrungen zu ermöglichen oder die Bühnenszene zu revolutionieren. 4

nellen künstlerischen Präsentation tiefe innere Erfahrung, reiche Gestaltung und spielerische Freiheit. Naturzusammenhänge, Farben, seelische Metamorphosen, Sprache und Dichtung, Klang und Musik, geistige Inhalte – alles das kann eurythmisch getanzt und am Menschen und zwischen Menschen im Ensemble Bewegung werden. Beziehung, Prozesse, Zusammenhänge zwischen Kräften, Menschen, Mensch und Welt, unterschiedlichste Themen zu gestalten, zu verwandeln und zu zeigen, dies sind Grundlagen und zugleich Ziele eurythmischer Kunst. Eine so in der Basis interdisziplinär angelegte Tanzkunst bietet reiche Möglichkeiten für Kunst, Pädagogik, Therapie und soziale Gestaltung. Der Kunstbegriff ist hier ein erweiterter und bezieht sich auf den eurythmischen Prozess generell, der sich in den unterschiedlichen Bereichen jeweils anders auswirkt. EXKURS: KUNST – KURZE BE- SCHREIBUNG EINER AUFFASSUNG Für die Eurythmieaufführungen wurden in der ersten Zeit eigens Programme gemalt. Im Sommer 1924 entstand das Aquarell »Urtier« / »Urmensch«. Rudolf Steiner stellt dar, wie sowohl der Mensch als auch das Tier auf dieselbe Urform zurückgehen. Kunst, als etwas spezifisch Menschliches, als eine Tätigkeit, die nicht auf Nutzen, auf Anwendbarkeit oder Didaktik ausgerichtet ist, sondern sich im freien Spiel der gestaltenden Kräfte entfaltet, so aufgefasst, spielt sich nicht nur auf der Bühne ab. Wir können in jedem Lebensgebiet zum Künstler werden, der sich auf seine freie menschliche Mitte bezieht. »Freie Kunst« ist etwas sehr Individuelles. Ich schaffe Kunst, jemand anderes genießt sie, nimmt sie entgegen. Zwischen Publikum und tätigem Künstler geschieht etwas Freies, Neues, Ungeahntes. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Für den pädagogisch tätigen Künstler geht es entweder um Kunstvermittlung, das heißt ich bringe meinen Studenten künstlerische Techniken bis zur Fähigkeitsbildung bei, und am Ende eines Eurythmiestudiums sollte man Eurythmie grundlegend erlernt haben. Andererseits nutze ich künstlerische Techniken, beispielsweise in der Schule, um Kindern eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen. Für die Eurythmie würde das bedeuten: Waldorfschüler, die jahrelang Eurythmieunterricht haben, beherrschen zwar eurythmische Grundtechniken, aber sie sind durch die kontinuierliche gemeinsame Arbeit vor allem innerlich und äußerlich beweglicher, wacher, achtsamer für Prozesse geworden. EURYTHMIE 5

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