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Teil 3/12: Freiheit

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Anthroposophische Perspektiven - In dieser Aufsatzreihe stellen Autoren beispielhaft Perspektiven der Anthroposophie auf das Lebensgebiet ihrer Berufspraxis vor.

EINFÜHRUNGSTEXT ZUR

EINFÜHRUNGSTEXT ZUR ANTHROPOSOPHIE 1894 veröffentlichte Rudolf Steiner »Die Philosophie der Freiheit«. Die erste Auflage mit 1.000 Exemplaren war bald vergriffen. Erst 1918 gab es eine zweite, leicht überarbeitete Auflage des Werkes. Seither erlebte die »Philosophie der Freiheit« zahlreiche Nachauflagen; mehrere 100.000 Bücher sind bis heute verkauft worden. Steiner hat wiederholt dieses Buch, das das Thema seiner Dissertation weiter ausarbeitete, als sein wichtigstes Werk bezeichnet. Es solle überdauern; von anderen Werken oder den zahlreichen als Büchern herausgegebenen Vortragsmitschriften sagte er dies nicht. Die »Philosophie der Freiheit« lässt sich voraussetzungslos von jedermann lesen und verstehen. Sie stellt die Frage des menschlichen Erkennens und des selbstbestimmten Handelns in ihr Zentrum, befasst sich also bezogen auf das Erkenntnisvermögen damit, ob es Wahrheit gibt und bezogen auf das Wollen und Tun, ob es Freiheit gibt beziehungsweise gemäß den grundsätzlichen Fähigkeiten des Menschen geben kann. Steiner bejaht beide Fragen. Die Einschränkungen, die sich aus Tradition und Herkommen, Wünschen und Vorlieben oder ungenauem Wahrnehmen ergeben, stellt er keinesfalls in Abrede, hält sie jedoch für prinzipiell erkennbar und somit für weiterentwickelbar. Damit bietet der Autor eine Welt- und Menschenauffassung, die dem Einzelnen die Verantwortung für sein Leben selbst überträgt, ihn aus mancher überkommenen Fessel befreien hilft und ihm so letztlich großartige Perspektiven eröffnet. Eine Haltung, die in Zeiten des immer ausgeprägteren Individualismus Halt gibt und den Grundgedanken der Aufklärung – sie ist nach Kant der »Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit« – einen entscheidenden Schritt weiterführt. Im folgenden Artikel erläutert der Philologe Karl-Martin Dietz, wie ein solches »Handeln aus sich selbst heraus« zu denken ist. ››› Manon Haccius I M P R E S S U M Anthroposophische Perspektiven / Zwölfteilige Serie Teil 3: Handeln aus sich selbst heraus Autor: Karl-Martin Dietz Herausgegeben von: Manon Haccius, Alnatura Produktions- und Handels GmbH, Darmstädter Straße 63, DE-64404 Bickenbach, www.alnatura.de Copyright © 2011 by Alnatura Produktions- und Handels GmbH, Bickenbach Gestaltung: usus.kommunikation, Berlin Abbildungen: Rudolf Steiner Archiv, Dornach Verlag: mfk corporate publishing GmbH, Prinz-Christians-Weg 1, DE-64287 Darmstadt Druck: alpha print medien AG, Darmstadt Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, verboten. Kein Teil des Werks darf ohne schriftliche Genehmigung in irgendeiner Form reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme oder Datenträger verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Jede Verwertung ist ohne die Zustimmung des Herausgebers und des Autors unzulässig.

HANDELN AUS SICH SELBST HERAUS RUDOLF STEINERS ETHISCHER INDIVIDUALISMUS KARL-MARTIN DIETZ Wenn wir uns abends rückblickend fragen, aus welchen Antrieben wir den Tag über gehandelt haben, dann kann so manches zutage treten. Pflichten, Aufträge oder erhaltene Anweisungen sind schnell dingfest gemacht. Für vieles andere aber, das ich tue, brauche ich keine Anlässe von außen. Es geschieht aus innerer Konsequenz. Ich habe zum Beispiel etwas angefangen, das sinnvollerweise fortgeführt wird. Oder ich habe etwas »angerichtet«, das man nicht einfach so lassen kann. Es gibt eine umfangreiche Wissenschaft von den »Triebstrukturen«, die mein Handeln bestimmen können. In der Zivilisation gibt es Prinzipien (zum Beispiel ethische Werte), die ich wie selbstverständlich übernehme, und es gibt Denkmodelle (»mentale Modelle«), die mir zwar kaum bewusst sind, jedoch meinem persönlichen Denken und Handeln zugrunde liegen. Je eingehender ich mir die Frage nach den Ursprüngen meines Handelns stelle, umso mehr Faktoren bemerke ich, die mich bestimmen, ohne von mir selbst auszugehen. Da frage ich mich etwas ratlos mit Goethe: »Was ist denn an dem ganzen Wicht / Original zu nennen?« DIE AUTONOMIE DES AUGENBLICKS Die Frage nach der »Freiheit« des handelnden Menschen durchzieht die Geschichte des europäischen Denkens seit ihren Anfängen. Freiheit wurde zunächst im politischsozialen Sinne verstanden (Einführung der Demokratie in der griechischen Antike samt Folgeerscheinungen). Aber diese Freiheit erwies sich bald als nicht ausreichend. Was im Sozialen gewährt wird, muss noch mit Willenshandlungen ausgefüllt werden. Wie steht es mit deren »Freiheit«? – So entstand in der Geistesgeschichte bald die Frage nach einer inneren Autonomie: Autonomie als Selbstgesetzgebung der Vernunft. »Alle Philosophie ist Autonomie« (Kant). In unserer Gegenwart und für die Zukunft aber entstehen noch weitere Aufgaben. Es geht nicht mehr nur darum, was ich darf oder kann, sondern auch darum, was ich will und warum ich es will. Und zwar »ich« als individuelles Wesen. »Das ideale Individuum wird nicht mehr an seiner Gefügigkeit gemessen, sondern an seiner Initiative. Hier liegt eine der entscheidenden Veränderungen unserer Lebensweise …« (Alain Ehrenberg). Die Erfüllung dieser Aufgabe kann man als »situative Autonomie« (Autonomie des Augenblicks) bezeichnen: Wie handle ich im konkreten Einzelfall unter Einbezug der gesamten Situation eigenständig, sinnvoll, originell und verantwortlich? Der Soziologe Ulrich Beck formuliert prägnant: »Gefordert ist ein aktives Handlungsmodell des Alltags, das das Ich zum Zentrum hat.« Er beschreibt allerdings nicht, wie man zu diesem »Handlungsmodell« kommen kann. »Ein freies Wesen kann der Mensch nur selbst aus sich machen.« Rudolf Steiner Rudolf Steiner greift in seiner »Philosophie der Freiheit« diese Fragestellung auf dem Stand der damaligen wissenschaftlichen Diskussion auf und wandelt sie radikal um. Er verweist den einzelnen Menschen auf sich selbst: »Die Natur macht aus dem Menschen bloß ein Naturwesen; die Gesellschaft ein gesetzmäßig handelndes; ein freies Wesen kann er nur selbst aus sich machen. Die Natur lässt den Menschen in einem gewissen Stadium seiner Entwickelung aus ihren Fesseln los; die Gesellschaft führt diese Entwickelung bis zu einem weiteren Punkte; den letzten Schliff kann nur der Mensch selbst sich geben.« Ist der Mensch also frei oder ist er unfrei? Steiner hält nichts von dieser Alternative. »Aus Handlungen der Freiheit und der Unfreiheit setzt sich unser Leben zusammen. Wir können aber den Begriff des Menschen nicht zu Ende denken, ohne auf den freien Geist als die reinste Ausprägung der menschlichen Natur zu kommen.« Wir sind also nicht, so Steiner, in allen unseren Handlungen frei (oder unfrei), sondern wir müssen und können uns in den Zustand der Freiheit aus eigenem Antrieb versetzen. Nur insoweit uns dies gelingt, sind wir frei. Freiheit ist gleichermaßen Wesen und Entwicklungsziel des Menschen. Sie tritt zutage, wenn und soweit der Mensch sie zur Entfaltung bringt. Es gehört zum Wesen des Menschen, sich zur Freiheit entwickeln zu können. Die abendliche Selbstbefragung könnte also auch so lauten: Ist es mir heute gelungen, bei allen gängigen Verstrickungen auch einmal »in Freiheit« zu handeln? Welchen Behinderungen war diese Bemühung ausgesetzt? Konnte ich sie überwinden? HANDELN AUS SICH SELBST HERAUS 3

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