Aufrufe
vor 1 Jahr

Teil 2/12: Religion

  • Text
  • Steiner
  • Religion
  • Anthroposophie
  • Seele
  • Wesen
  • Menschen
  • Welt
  • Geistigen
  • Wozu
  • Mensch
  • Nahrung
  • Natur
  • Alnatura
Anthroposophische Perspektiven - In dieser Aufsatzreihe stellen Autoren beispielhaft Perspektiven der Anthroposophie auf das Lebensgebiet ihrer Berufspraxis vor.

EINFÜHRUNGSTEXT ZUR

EINFÜHRUNGSTEXT ZUR ANTHROPOSOPHIE Den Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) nannte Rudolf Steiner (1861 – 1925) kaum je anders als die Weltkriegskatastrophe. Seine Auffassung teilten viele Menschen, vor allem künstlerisch tätige, die mit besonders wachem Empfinden das Zeitgeschehen verfolgten. Auch für den Schriftsteller Stefan Zweig (1881 – 1942) zum Beispiel ging mit dem Ausbruch dieses Krieges eine Welt unter, wie er in seinem autobiografischen Buch »Die Welt von gestern« schreibt. Für einige junge Theologen, von denen manche als Soldaten am Krieg teilgenommen hatten, wurde die Frage ihrer Berufswahl in dieser Zeitsituation besonders existenziell. Ihr Studium der Theologie hatte ihre Erwartungen nicht erfüllt, sie wollten religiös wirken und sahen dazu in den bestehenden Kirchen nicht die Möglichkeit. Von der Anthroposophie erwarteten sie sich eine Stütze und Vertiefung des religiösen Lebens wie der religiösen Übung. Sie wandten sich 1921 an Steiner, der sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts immer wieder intensiv mit dem Christentum und mit christologischen Fragen beschäftigt und dazu vorge tragen und publiziert hatte. Er erfüllte die an ihn herangetragene Bitte und hielt im Sommer und Herbst 1921 Kurse für Theologen ab. Neben Vorträgen gab es intensive Gespräche und Diskussionsrunden. Eine Gruppe der Teilnehmer führte die Arbeit fort und gründete im September des Jahres 1922 die Christengemeinschaft als eine Bewegung für christliche Erneuerung. Es handelt sich bei der Gemeinschaft nicht um eine anthroposophische Kirche, sondern um eine selbständige religiöse Bewegung. Wolfgang Gädeke, Pfarrer der Christengemeinschaft, legt im Folgenden dar, wozu wir Religion überhaupt brauchen. ››› Manon Haccius I M P R E S S U M Anthroposophische Perspektiven / Zwölfteilige Serie Teil 2: Wozu überhaupt Religion? Autor: Wolfgang Gädeke Herausgegeben von: Manon Haccius, Alnatura Produktions- und Handels GmbH, Darmstädter Straße 63, DE-64404 Bickenbach, www.alnatura.de Copyright © 2011 by Alnatura Produktions- und Handels GmbH, Bickenbach Gestaltung: usus.kommunikation, Berlin Abbildungen: Rudolf Steiner Archiv, Dornach Verlag: mfk corporate publishing GmbH, Prinz-Christians-Weg 1, DE-64287 Darmstadt Druck: alpha print medien AG, Darmstadt Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, verboten. Kein Teil des Werks darf ohne schriftliche Genehmigung in irgendeiner Form reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme oder Datenträger verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Herausgebers und des Autors unzulässig.

WOZU ÜBERHAUPT RELIGION? WOLFGANG GÄDEKE In Bezug auf Religion befinden wir uns heute in einer paradoxen Situation: Einerseits nimmt die öffentliche Bedeutung von Religion im gesellschaftlichen und politischen Leben des Abendlandes immer mehr ab. Andererseits scheint der Einfluss von Religion auf die Weltpolitik, besonders der extremen und fundamentalistischen Richtungen der verschie denen Religionen, immer mehr zuzu nehmen. Auf der einen Seite gehen die Mitgliederzahlen der großen Kirchen kontinuierlich zurück: Die katholische Kirche leidet unter akutem Priestermangel, und Kirchen werden abgerissen oder umgewidmet. Auf der anderen Seite stellen die Soziologen eine neu erwachte Religiosität und Spiritualität in der Bevölkerung fest. Religion ist in unserer von Naturwissenschaft und Tech nik geprägten Zivilisation wieder ein Thema, nachdem sie lange Zeit tabuisiert worden war wie früher die Sexualität. In unserem wissenschaftlichen Denken, das nur Sinnlich-Materielles als Wirklichkeit anerkennen kann, hat Religion keinen Platz, gehört aber zunehmend wieder als Element persönlicher »Wellness«, als Verschönerung sozialer Anlässe (Taufen und Trauungen) zum Leben dazu. Aber wissen wir überhaupt, was Religion ist, warum es sie gibt und was ihre eigentliche Funktion für den Menschen und die Gesellschaft ist? WAS IST RELIGION? Zunächst kann man sagen, dass Religion ein Ur-Phänomen in der Menschheitsgeschichte ist. Schon in der Altsteinzeit, vor 400.000 Jahren, haben Jäger die Schädel der von ihnen erlegten Wildpferde mitsamt einer Reihe kostbarer, selbst gefertigter Jagdspeere kultisch niedergelegt, um die Seelen und Geister der getöteten Tiere durch dieses Opfer zu besänftigen, sozusagen um Verzeihung zu bitten. So jedenfalls werden die spektakulären Funde von Schöningen am Elm gedeutet. Schon in dieser Tatsache tritt uns die innere Dynamik jeder Religion entgegen: Der Mensch wendet sich einzeln oder in Gemeinschaft tätig − in Gebet und Kultus − geistigen, übersinnlichen Wesen zu, deren Exis tenz ihm gewiss ist, ob er sie wahrnehmen kann oder lediglich ein Gefühl ihres Daseins in sich trägt, um sich zu diesen Wesen, von denen er sich abhängig weiß, in ein positives Verhältnis zu setzen. Dieses Gefühl für die Existenz geistiger Wesen (Götter) nennen wir Glaube. Untersuchungen an Kindern haben gezeigt, dass diese in einer bestimmten Entwicklungsphase ganz selbstverständlich in der Überzeugung leben, dass alle Dinge und Wesen um sie herum nicht nur belebt, sondern auch beseelt sind. Für sie steht fest, dass es Zwerge und Feen, Engel und Geister gibt, solange man ihnen diese Überzeugung nicht auszureden versucht. So war es in der Menschheitsgeschichte durch Jahrtausende auch für die Erwachsenen. Und dieser »Glaube«, diese Überzeugung wurde genährt und gestärkt durch Menschen, die von sich sagten, dass sie solche Wesen gesehen und gesprochen hätten. Man nannte sie Propheten oder Seher, Eingeweihte oder Adepten, Schamanen oder Medizinmänner. Sie schilderten den Menschen die Götter und ihre Wirksamkeit, sodass sie dadurch Vorstellungen und Empfindungen von den Wesen bekamen. Diese Schilderungen sind uns in vielen Mythen und ganzen Mythologien überliefert. Die größten dieser besonderen Menschen wurden zu Stiftern von Religionen: Krishna, Buddha, Hermes, Mo ses, Jesus und Mohammed. Sie verkündeten den Menschen von diesen geistigen Wesen oder Göttern und übermittel ten ihnen ihre Gebote und die Formen (Gebete, Opferhandlungen, Rituale), durch die sie sich mit diesen Wesen verbinden konnten. Dies gilt für alle Religionen, unabhängig davon, ob es sich um eine Naturreligion, eine Ahnenreligion, um eine polytheistische oder mono theistische Religion handelt. EIN HISTORISCHES BEISPIEL FÜR WIRKSAME RELIGION Für die meisten Menschen war es selbstverständlich, dass nicht nur der Mensch, sondern die ganze Natur von diesen Wesen geschaffen ist und dass sie fortwährend weiter in der Natur, im Menschen und in der Geschichte wirken. Noch in der beginnenden Neuzeit, im 15. Jahrhundert, trat mit Johanna von Orleans ein achtzehnjähriges Bauernmädchen aus Lothringen beim Dauphin von Frankreich auf und sagte, sie habe den Auftrag des Erzengels Michael und der heiligen Katharina, an der Spitze eines Heeres gegen die Engländer zu kämpfen, um Frankreich zu befreien und ihm die Königswürde zu ermöglichen. Für die damalige Menschheit stand nicht die Frage, ob sie die Begegnung mit einem geistigen Wesen gehabt und einen Auftrag von ihm erhalten habe oder nicht, im Vordergrund, sondern lediglich, ob dieser Auf- WOZU ÜBERHAUPT RELIGION? 3

Neu eingetroffen

Alnatura Aktuelle Angebote vom 22.02. bis 28.02.2018
Alnatura Nachhaltigkeitsbericht 2017/2018
Alnatura Magazin Februar 2018
Alnatura Magazin Januar 2018

digitale Sammlung

Alnatura Weihnachtsrezepte
Alnatura Backwaren vom Bio-Bäcker
Was ist das Besondere an Alnatura?
Nachhaltigkeit bei Alnatura
Alnatura Magazin Februar 2018
Alnatura Magazin Januar 2018
Alnatura Magazin - Dezember 2017
Alnatura Magazin Oktober 2017
Alnatura Magazin - August 2017
Alnatura Magazin - Juli 2017
Alnatura Magazin - Mai 2017
Alnatura Magazin - Februar 2017
Alnatura Magazin - Januar 2017
Teil 1/12: Wirtschaft
Teil 2/12: Religion
Teil 3/12: Freiheit
Teil 4/12: Sprache
Teil 5/12: Medizin
Teil 6/12: Pädagogik
Teil 7/12: Eurythmie
Teil 8/12: Ökologie
Teil 9/12: Kunst
Teil 10/12: Heilpädagogik
Teil 11/12: Naturwissenschaften
Teil 12/12: Landwirtschaft
Alnatura Nachhaltigkeitsbericht 2017/2018
Nachhaltigkeitsbericht 2015/2016
Alnatura_Nachhaltigkeitsbericht 2013/2014
Nachhaltigkeit bei Alnatura
© 2017 by Alnatura