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Teil 11/12: Naturwissenschaften

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Anthroposophische Perspektiven - In dieser Aufsatzreihe stellen Autoren beispielhaft Perspektiven der Anthroposophie auf das Lebensgebiet ihrer Berufspraxis vor.

ches Weltverständnis

ches Weltverständnis werden überall proklamiert, um uns aus dem kartesischen Dualismus, diesem öffentlichen Spaltungsbewusstsein, zu erlösen. Drei Einheitsanschauungen (Monismen) bieten sich dafür an: • Es gibt nur das räumlich Mess-, Wäg- und Abzählbare (Materialismus). • Es gibt nur das sicher, was ich von der Welt in meinem Bewusstsein vorfinde. Die Welt ist mein Konstrukt (Konstruktivismus). • Materie und Bewusstsein, Leib und Seele, Geist und Stoff sind alles ein und dasselbe (Holismus). Jeder dieser drei Monismen bleibt ideologieverdächtig, auch wenn man mit allen dreien ungeniert Naturwissenschaft machen kann. Gibt es nicht auch eine Teilberechtigung des Dualismus? Als kleine, staunende Kinder nennen sich Karl und Liese mit ihrem Namen, denn so werden sie von allen genannt. Sie erleben sich als Weltinhalt. Das kleine Kind ist Monist. Dann tritt das Bewusstsein der eigenen Einmaligkeit ein. Karlchen und Lieschen bezeichnen sich selbst mit dem gleichen Wort, wie die Erwachsenen längst: »Ich«. Ich und Welt haben sich getrennt. Die Kinder werden Dualisten. Die Ganzheit mit der Welt spaltet sich in Subjekte und Objekte – aber nur für das menschliche Bewusstsein. Im Alltagsbewusstsein des Menschen trennen sich beide Hälften. Der Weltgehalt ist zwar ganzheitlich einschließlich des Menschen. Er zerfällt aber im menschlichen Bewusstsein ab dem dritten Lebensjahr in den Dualismus von Innenwelt und Außenwelt. So beginnt aus dem Dualismus heraus die Suche nach der verlorenen Einheit, nach der Zusammengehörigkeit von allem. Dieser dritte Schritt bringt einen erneuerten Monismus hervor, der nicht mehr der alte ist. Das macht alle Kultur aus. Diese Suche ist nun der lebenslange Beweggrund für echte Wissenschaft, alle Künste und Religionen. Also letztlich auch der Naturwissenschaften. Naturwissenschaft als Kul turtherapie? Die Natur hält sich dafür bereit. Der Na turwissenschaftler Goethe mit den an ihn anschließenden goetheanistischen Naturforschern und auch die Väter der Quantenphysik seien als Beispiele angeführt. Jedes Mal wurde die Subjekt- / Objektspaltung neu überbrückt. Der Weg vom frühen Monismus über den Dualismus zu einem neuwertigen Monismus geschieht bei näherem Zusehen bei jedem Menschen. Die ersten beiden Schritte treten wie von selbst ein, der dritte hingegen geschieht nur aus eigenem Antrieb auf der eigenen, rein individuellen Suche. Kultur tritt nie automatisch von selbst auf, sondern bedarf des Engagements. Aber nicht nur in jedem Menschenleben spielt sich die gekennzeichnete Entwicklung mehr oder weniger ab, sondern auch im Laufe der gesellschaftlichen Entwicklung. Beim Eintreten der Selbst- und Weltentfremdung halfen die Naturwissenschaften kräftig mit. Das antike 4 und mittelalterliche Weltbild zerbrach unter den Entdeckungen der Astronomen, Physiker, Biologen und Psychologen. Viele fühlten sich dadurch verunsichert und angegriffen. So sprach 1917 Sigmund Freud von drei narzistischen Kränkungen des menschlichen Seelenlebens, welche die Neuzeit dem menschlichen Selbstverständnis zugefügt habe: • Die Entdeckung, dass nicht die Erde, sondern die Sonne im Mittelpunkt des Planetensystems stehe, durch Nikolaus Kopernikus 1543. • Die Entdeckung, dass der Mensch aus dem Tierreich abstamme, durch Charles Darwin 1859. • Die Entdeckung, dass im Menschen das bewusste Ich nicht Herr im eigenen Seelenhaushalt ist, durch Sigmund Freud 1917. DIE ERDE IM WELTRAUM Nun muss der Autor ein Geständnis machen: Ich fühle mich überhaupt nicht durch Kopernikus gekränkt. Die Feststellung, nicht die Erde, sondern die Sonne stehe inmitten aller Planeten, hat sich seit dem 16. Jahrhundert allgemein durchgesetzt, nachdem schon Plato 2 000 Jahre vorher diese Idee erwähnt hatte. Die kopernikanische, heliozentrische Auffassung des Planetensystems ist eine wundervolle Entdeckung: Wäre die Erde die Sonne oder stünde sie nahe an der Sonne, so würde die Hitze so groß sein, dass alles Leben verkochen müsste. Stünde sie weiter weg, als es der Fall ist, so wäre es viel zu kalt für alles Leben. Auch die Größe des Erdballs ist optimal. Wäre sie kleiner, so könnte die geringere Schwerkraft nicht das Wasser und die Atmosphäre – Grundlage des Lebens – auf ihr festhalten. Beides fehlt dem Mond. Wäre sie größer, so wäre die Gewichtszunahme auf ihr erdrückend. Durch ihre ausgewogene Stellung, Größe und Mondbegleitung ist sie der alleinige Planet des Lebens im gesamten Sonnensystem. Leben ist nicht unter extremen Be dingungen möglich, sondern in der gemäßigten Mitte. »Mitte« ist hier nicht die räumliche, sondern die funktio nelle Mitte. 1718 stellte der englische Astronom Edmund Halley fest, dass die Fixsterne nicht starr zueinander stehen, sondern sich bewegen. Daraufhin kartierte Wilhelm Herschel ihre Bewegungsrichtungen über den gesamten Sternenhimmel hin und entdeckte 1783, dass sie im und um das Sternbild des Herkules vorwiegend auseinanderweichen, beim gegenüberliegenden Sternbild der Taube im Südhimmel sich scheinbar aufeinander zubewegen. Hier zeigt sich der perspektivische Eindruck davon, dass sich unser gesamtes Sonnensystem im Sternenraum in Richtung des Herkules selbst auch bewegt (Apexbewegung). Der Herkules und seine Nachbarbilder sind für uns blasse Sterne am Sommerhimmel, im Gegensatz zu den hell leuchtenden Wintersternbildern um den Orion oberhalb der Taube. Es ist, als ob die Sonne als hell leuchtender Fixstern selbst am Ausgleich durch ihre Wanderrichtung beteiligt ist.

Unser Sonnensystem, nicht maßstabgerecht, und seine Lage im Milchstraßensystem. Bild links: Sonnensystem von innen nach außen: Sonne; innere Planeten: Merkur, Venus, Erde (siehe Pfeil), Mars; Asteroiden gürtel; äußere Planeten: Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun (© Nasa/Smith, Generosa). Bild oben: Die Rekonstruktion unseres Milchstraßensystems (Lage unseres Sonnensystems darin, siehe Pfeil) von außen ergab einen Balkenspiralnebel (© Science Library, London). Die Stellung der Sonne mit ihren Begleitern ist eine beachtenswerte. Wir können die mit bloßem Auge gut sichtbaren Fixsterne der Sternbilder deshalb als die hervorstechenden Sterne sehen, weil sie uns noch relativ nahe stehen. Sehr viel weiter umgibt uns das Milchstraßenband. Der holländische Astronom C. Easten hatte um 1900 die Vermutung, dass dieses Band einen Spiralnebel von innen gesehen darstellt. Das konnte im Laufe des 20. Jahrhunderts gesichert werden. Es wurde inzwischen ermittelt, dass die Milchstraße ein Balkenspiralnebel mit vier Spiralarmen ist, worin die Sonne mit ihren sie begleitenden Planeten und näheren Fixsternen steht. Ihre und damit auch der Erde Stellung ist nun nicht im Kern dieses Spiralnebels und nicht in seiner Peripherie, sondern in einer Zwischenlage. Dabei liegt sie mit ihren nahen Himmelsgeschwistern nicht auf einem der Spiralnebelarme, auch nicht zwischen zweien, sondern in der Nähe eines solchen, wiederum die möglichen Extreme vermeidend. Sind das nicht alles dankbar zu bewundernde Ergebnisse der Naturwissenschaft von der Lage unserer Erde im näheren und weiteren Gesamt des astronomischen Kosmos? Es besteht heute kein Anlass mehr zur Kränkung durch die kopernikanische Astronomie. NATURWISSENSCHAFTEN 5

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