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Teil 10/12: Heilpädagogik

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Anthroposophische Perspektiven - In dieser Aufsatzreihe stellen Autoren beispielhaft Perspektiven der Anthroposophie auf das Lebensgebiet ihrer Berufspraxis vor.

»Behinderung wird nicht

»Behinderung wird nicht mehr als eine dem Menschen anhaftende Eigenschaft gesehen, sondern als Beziehungsphänomen.« die auch heute oft noch unsichtbare Minderheit der Menschen mit Behinderungen« und wird »zu einer Humanisierung der gesamten Gesellschaft führen«. Die Grundlage aller UN-Konventionen, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, findet sich wieder im Dreiklang der Konvention (assistierte) Autonomie, Barrierefreiheit und Inklusion. Autonom bin ich dann, wenn ich in der Lage bin, mir selbst zu folgen. Voraussetzung dafür ist nun einerseits die mir dazu gewährte gesellschaftliche Freiheit, andererseits meine Fähigkeit, aus einer Überschau über die Verhältnisse die Freiheit auch zu nutzen. Barrieren sorgen für Ungleichheit; da, wo sie abgebaut werden, wird Gleichheit möglich. Durch Inklusion schließlich wird Brüderlichkeit verwirklicht. 650 Millionen Menschen, knapp zehn Prozent der Weltbevölkerung, sind behindert. Die Menschenrechte, die die drei großen Ideale der Französischen Revolution beinhalten, gelten per Definition für alle Menschen. Dass sie in der Realität längst nicht immer verwirklicht werden, ist klar; das Streben aber muss in diese Richtung gehen. In der Konvention wird danach gefragt, welche Bedingungen erfüllt sein müssen und welche Änderungen der Praxis notwendig sind, um die Menschenrechte für die »größte Minderheit« der Menschheit zu realisieren. In seinem Buch Kernpunkte der sozialen Frage sucht Rudolf Steiner nach einer Lösung des Dilemmas, dass Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit drei Ideale sind, die sich bei unspezifischer Anwendung gegenseitig widersprechen. Wären die Menschen etwa absolut gleich, machte es keinen Sinn, von Autonomie zu sprechen. Wären sie nur Autonome, bliebe Brüderlichkeit ein frommer Wunsch. Steiner spezifiziert daher: Freiheit im Geistesleben, Gleichheit im Rechtsleben und Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben. Barrierefreiheit bedeutet zunächst das Abbauen von Hindernissen wie etwa Stufen, die den Rollstuhlfahrer behindern, ihm den Zugang zu einem Ort verbauen und dadurch Ungleichheit herstellen. Darüber hinaus meint Barrierefreiheit aber noch etwas wesentlich Weitergehendes, was auch an der Definition des Behinderungsbegriffes in der Präambel der Konvention deutlich wird. Dort heißt es unter e) »in der Erkenntnis, dass das Verständnis von Behinderung sich ständig weiterentwickelt und dass Behinderung aus der Wechselwirkung zwischen Menschen mit Beeinträchtigungen und einstellungs- und umweltbedingten Barrieren entsteht, die sie an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern …« Die Bedeutung dieses Satzes kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden! Behinderung wird nicht mehr als eine dem Menschen anhaftende Eigenschaft gesehen, sondern als Beziehungsphänomen. Durch die Interaktion können also Menschen, besonders auch mit sogenannter geistiger Behinderung, überhaupt erst behindert werden – und daher eben auch in der Begegnung, durch die Begegnung ent-hindert werden. Ob Menschenrechte im Alltag wirksam werden, entscheidet sich in der Begegnung von Mensch zu Mensch. Die entscheidenden Barrieren, die eine Beeinträchtigung überhaupt erst zur eigentlichen Behinderung werden lassen, liegen zu einem großen Teil im Bewusstsein der Mitmenschen. Gleichheit vor dem Recht bedeutet, dass die Rechte (und Pflichten) uneingeschränkt für alle Menschen gelten. Damit diese Gleichheit aber verwirklicht wird, bedarf es der Schaffung des Rechtsortes für den anderen In »Die Kernpunkte der sozialen Frage«, 1. Auflage 1919, stellt Rudolf Steiner unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkrieges seine Ideen zur Dreigliederung des Sozialen Organismus dar. 4

Menschen in der Begegnung. Die Menschen sind nicht gleich. Die Gleichheit kann nur in der Anerkennung der individuellen Verschiedenheit bestehen. Wenn ich den anderen als Individuum gewahre, nehme ich ihn als den unverwechselbaren Einen wahr, der sich von allen anderen unterscheidet, also gerade nicht gleich ist. Im Akt der Anerkennung des anderen als Individuum aber liegt die Gleichheit, indem ich prinzipiell alle Menschen als Individuen anerkenne. Muss man für den Rechtsanspruch auf den ideellen Dreiklang behindert sein? Nein! Das wäre positive Diskriminierung. Eine Entwicklung, die ihn für den Menschen mit Assistenzbedarf fordern würde und gleichzeitig den assistierenden Mitarbeiter zum lohnabhängigen Befehlsempfänger und Dokumentarisierungs-Sklaven degradierte, wäre ein Widerspruch in sich. Anderen zur – graduellen – Freiheit verhelfen kann nur, wer sich selbst auf diesen Weg begibt. Wenn es uns wirklich ernst ist mit der Durchsetzung der drei Ideale für Menschen mit Behinderungen, dann muss es uns selbstverständlich auch ernst sein damit für Menschen ohne ausgesprochene Behinderung. Das Prinzip der kollegialen Selbstverwaltung einer Einrichtung wäre dann aktueller denn je. FACHVERBAND Der Verband für anthroposophische Heilpädagogik, Sozialtherapie und soziale Arbeit e. V. ist ein Fachverband der Behindertenhilfe, in dem derzeit bundesweit 156 Trägervereine von 226 Einrichtungen zusammengeschlossen sind, in denen 14 877 Menschen mit geistiger, seelischer und mehrfacher Behinderung leben, lernen und arbeiten. Die Bandbreite der Angebote reicht von der Frühförderung und ambulanten Heilpädagogik über Tages- und Heimschulen, Jugendhilfeeinrichtungen, Werkstätten (anerkannte Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) »Die äusseren Wissenschaften betrachten von unseren Sinnen nur diejenigen, für die im gröberen Sinne Organe vorhanden sind, wie der Sehsinn, der Gehörsinn und so weiter. Diese Betrachtungsweise kann in einem tieferen Sinne deshalb nicht befriedigen, weil das Gebiet, das zum Beispiel das Sehen von unserer Erfahrung, von unserer Gesamterfahrung umfasst, ein ebenso abgegrenztes ist innerhalb der Gesamtsumme unserer Erlebnisse, wie, sagen wir die Wahrnehmung des fremden Ich oder die Wahrnehmung der Bedeutung von Wörtern.« Rudolf Steiner im Vortrag am 22. Juli 1921 HEILPÄDAGOGIK 5

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