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Alnatura Magazin - März 2017

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GESELLSCHAFT Neue

GESELLSCHAFT Neue Technik, alte Risiken Petra Boie, Vorstand der Bingenheimer Saatgut AG, zur Entwicklung neuer Gentechnik-Verfahren und deren Risiken für Menschen, Tiere und Umwelt. Durch die Entwicklung verschiedener neuer Gentechnik-Verfahren werden uns rasante Fortschritte in der Pflanzen- und Tierzucht versprochen. Doch eine langfristige, sachliche Beurteilung der Vorteile und Risiken der vermeintlich zielgerichteten genetischen Eingriffe steht noch aus – genauso wie eine Entscheidung in der Frage, ob die Techniken als Gentechnik und ihre Endprodukte damit als gentechnisch verändert einzustufen sind. Die rechtliche Beurteilung und Einordnung hat auch weitreichende Folgen für uns als Verbraucher: Ohne Kennzeichnungspflicht wird uns die Wahlfreiheit für ein ökologisches und gentechnikfreies Produkt genommen. Die seit einigen Jahren in der Entwicklung befindlichen verschiedenen neuen gentechnischen Verfahren lassen sich sowohl in der Pflanzen- und Tierzüchtung als auch in der Humanmedizin anwenden. Neben Verfahren wie der Cis-Gentechnik, die der bekannten Gentechnik sehr ähnlich sind, stehen in der aktuellen Diskussion vor allem die sogenannten Genome- Editing-Verfahren im Fokus. Im Gegensatz zur »alten« Gentechnik soll es mit diesen Verfahren, allen voran CRISPR/Cas9 (Methode, um DNA gezielt zu schneiden und zu verändern), möglich sein, ganz präzise in das Erbgut von Pflanzen, Tieren (und Menschen) einzugreifen. Nachdem man drei Jahrzehnte lang im Bereich der »alten« Gentechnik mit ungenauen Schrotschussverfahren gearbeitet hat – der Ort des Einbaus der Bingenheimer Saatgut AG kurz gefasst Die Bingenheimer Saatgut AG bietet ökologisches Saatgut für Acker, Gewächshaus, Garten und Balkon kasten. • nachbaufähige, samenfeste Sorten • keine Hybrid- Sorten, Patente, Gen- oder Biotechnologie • Förderung der biodynamischen / ökologischen Züchtung • Bio von Anfang an • beste Saatgutqualität und hohe Keimfähigkeit • Regionalität: 70 % des Saatgutes in Deutschland erzeugt • Sortenvielfalt: 380 Sorten, davon 150 Sorten in Demeter-Qualität • Transparenz: Rückverfolgung bis zum Vermehrungsacker. • partnerschaftliches Netzwerk: mit Saatguterzeugung und Züchtung • Integration: Unterstützung der Lebensgemeinschaft Bingenheim, indem pflegebedürftigen Menschen eine sinnvolle Arbeit ermöglicht wird neuen Gen-Konstrukte konnte nicht kontrolliert werden und komplexere gentechnische Veränderungen ließen sich kaum herstellen –, glaubt man sich jetzt in der Lage, das Erbgut und die Genregulation zielgerichtet, planvoll und ohne erhebliche Nebenwirkungen manipulieren zu können. Wortneuschöpfungen wie »Genome Editing« (sinngemäß übersetzt: gezieltes Umschreiben von Genomen) oder »Präzisionszüchtung« sollen glauben machen, dass man die Ära der Steinzeit-Gentechnik verlassen hat. Ungeachtet der weitverbreiteten Euphorie gibt es inzwischen einige Wissenschaftler, die die Verfahren und ihre vermeintliche Zielgerichtetheit kritisch hinterfragen. Deshalb sollten die neuen Techniken vor ihrem kommerziellen Einsatz unbedingt einer umfassenden, unabhängigen Risikobewertung unterzogen werden. Eine solche Prüfung wird es jedoch nur geben, wenn diese als das reguliert werden, was sie sind: Gentechnik. Welche Position hat der Bio-Landbau? Die Wochenzeitschrift »Die Zeit« titelte im Sommer 2016: »Wo bleibt der Aufschrei?« Die Autorin Thea Dorn forderte eine gesellschaftliche Debatte über die Grenzen der Anwendung der neuen gentechnischen Verfahren. »Gerade erfinden Forscher das Menschsein neu«, so ihre These. Dies gilt für die angeblichen Möglichkeiten in der Humangenetik, aber auch für die Pflanzen- und Tierzüchtung. Wir müssen uns fragen, wo die Grenzen des direkten Eingreifens in das Genom von Pflanzen und Tieren liegen. Der BÖLW (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft) hat eindeutig Stellung bezogen und lehnt neuartige Verfahren, die auf molekularer Ebene direkt in die DNA und/oder Genregulation eingreifen, grundsätzlich ab. Der BÖLW fordert eine konsequente Umsetzung des EU-Gentechnikrechts und die notwendige Kennzeichnung der Verfahren. In der Schweiz ist das Konzept der »Würde der Kreatur« sogar in der Verfassung verankert. Der Bio-Landbau hat sich freiwillig zu diesem Konzept verpflichtet. Daraus resultiert ein absoluter Verzicht auf die Verfahren der Gentechnik, auch bei der Tier- und Pflanzenzüchtung. Die Erfahrungen mit der »alten« Gentechnik sollten eigentlich ausreichen, um in Bezug auf die neuen Techniken besonders kritisch und wachsam zu sein – nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in der Politik. Hinzu kommt: Auch bei der Anwendung der Verfahren der »neuen« Gentechnik spielen Patentrechte eine große Rolle. Damit gerät der Bio-Landbau doppelt in Bedrängnis, denn »neue« Gentechnik und Patente werden die Sortenwahl und 34 Alnatura Magazin 03.2017

ANZEIGE www.kunst-koerperpflege.at Petra Boie mit Jungpflanzen bei der Bingenheimer Saatgut AG (links). Möhren-Saatgut-Vermehrung der biodynamischen Sorte »Milan« auf dem Betrieb von Peter Kiefer, Allgäu. (unten). eine eigenständige biologische Züchtung einschränken. Es sind Grundsatzfragen, die die Akteure aus Anbau, Herstellung und Handel zusammen mit ihren Kunden beantworten müssen: Welche Sorten können die Grundlage für einen nachhaltigen, qualitätsbewussten und biologischen Anbau sein? Wie erhalten wir Wahlfreiheit angesichts einer weltweit hochgradig mono polisierten konventionellen Saatgutbranche? Der Aufbau einer eigenständigen, den Grundsätzen des Bio-Landbaus verpflichteten Pflanzen-und Tierzüchtung ist wichtiger denn je! In der Zwischenzeit gibt es vielfältige Möglichkeiten, an konstruktiven Gegenentwürfen zur Gentechnik mitzuwirken: Achten Sie beispielsweise beim Kauf von Gemüse und Saatgut auf samenfeste Sorten aus ökologsicher Züchtung oder unterstützen Sie den Saatgutfonds für ökologische und gentechnikfreie Züchtung der Zukunftsstiftung Landwirtschaft. ››› Gastbeitrag von Petra Boie, Dipl.-Ing. Agr., Vorstand für Vertrieb & Marketing, Bingenheimer Saatgut AG – Ökologische Saaten – Apfel–kiwi körpercreme Den Genuss frischer knackiger Äpfel und fruchtiger Kiwis in den Tiegel gepackt. Begleitet von zarter Süße, erfrischt die Körpercreme die Haut mit einer spritzig belebenden Duftnote. Die Verschmelzung von Apfel und Kiwi in der STYX-Körpercreme bildet einen wahren Vitaminbooster für die Haut und ist reich an Antioxidantien. Bild: Apfel-Kiwi (Detail), Öl auf Leinwand, ©Krassimir Kolev 2016

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