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Alnatura Magazin Juni 2019

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Gegen Lebensmittelverschwendung // Rezeptidee: Auf zum Picknick // Warenkunde: Bier

GESELLSCHAFT Ein

GESELLSCHAFT Ein Spaziergang durch den Frühling Das Rot des Klatschmohns beendet den Frühling, die zarten Rosatöne der Kirsche stehen an seinem Beginn. ZEIT WISSEN-Autorin Hella Kemper schwärmt von den Wundern der schönsten Jahreszeit. Frühling heißt auf Italienisch »primavera«; prima vera bedeutet »zuerst wahr«, der Frühling ist also das erste Wahre im Jahr, was man als Ermutigung verstehen kann, aber auch als Zumutung. Denn in all dem Keimen, Aufbrechen und Erblühen steckt auch die drängende Aufforderung, es der Natur gleichzutun. Wir aber möchten vom Frühling verführt werden und nicht Zuschauer dieses Fruchtbarkeitsspektakels da draußen bleiben. Pflanzen vollenden sich im Laufe eines Jahres: Blüten und Früchte sind reif, wenn sie fallen. Und wir Menschen? Das Erscheinen des Frühlings beunruhigt uns. »Manchmal frag ich mich«, schrieb Rainer Maria Rilke an seine Freundin Nanny Wunderly-Volkart, »ob mein Herz dieser Ausdehnung noch fähig ist, die alten Leute sterben ja oft daran, an diesem unwillkürlichen Mitgerissensein ins Freie, Wehende, grenzenlos Offene …« Wenn morgens die Rotkehlchen und Amseln loslärmen, herrscht über Erdkrumen und Knospen noch die Nacht, denn eine Stunde vor Sonnenaufgang und früher beginnen sie zu singen. Ihr Singsang ist der Soundtrack jedes Frühlings, unaufhaltsam – und laut. Einer der Lautesten ist der kleine Zaunkönig. Mit bis zu 90 Dezibel lärmt er in die Dämmerung, so laut wie ein vorbeifahrender Lastwagen. Die Lautstärke ist wichtig, denn im Wald verschlucken Geäst und Moos, das ver modern de Laub, die zu Brei gewordenen Eicheln und Bucheckern das Frohlocken der Männchen. Sie allein, nicht die Weibchen, lernen als Jungtiere die Lieder von älteren Tieren. Bis zu eine Viertelstunde trillert im Frühling die Feldlerche – der Vogel dieses Jahres –, um ein Weibchen auf sich aufmerksam zu machen; dabei steigt das Männchen fast 200 Meter nach oben. Inmitten des Stadtlärms können die Vögel nur über halb so weite Distanzen kommunizieren wie ihre Artgenossen auf dem Land. Die Nachtigall singt an Werktagen lauter als am Wochenende, wenn weniger Autoverkehr herrscht. Kohlmeise und Amsel singen höher, um gehört zu werden. Möglicherweise ist ihr höheres Trällern aber nur ein Nebeneffekt der gesteigerten Lautstärke. Das künstliche Licht der Stadt lässt die Sänger auch früher singen und manche Vogelweibchen beginnen unter Kunstlicht einige Tage eher mit dem Eierlegen. Dass selbst die kleinsten Vögel lauter und ausdauernder singen als Menschen, und sogar zweistimmig, hat anatomische Gründe: Das Laute erzeugende Organ ist nicht der Kehlkopf, sondern der Stimmkopf, der sich an der Gabe l ung der Luftröhre zu den beiden Bronchien be findet. Der Stimmkopf ist mit elastischen Membranen, den Paukenhäuten, ausgestattet, die wie Stimmbänder gespannt werden. Damit können Ein zeltöne in rascher Folge modu liert werden, mit bis zu 200 Tonhöhenwechseln pro Sekunde. Kraniche haben durch ihre doppelt geschlungene Luftröhre ein besonders großes Stimmvolumen. Wenn die Sonnenvögel, wie die Ägypter sie nannten, in Keilformation einfliegen, hören wir sie oft, bevor wir sie sehen. Der Kli ma wandel lässt sie inzwischen einige Wochen früher aus dem Süden für eine Zwischenrast nach Deutschland fliegen. Insgesamt bre chen weltweit etwa 50 Milliarden Vögel auf, um aus ihren oft Tausende Kilometer entfernten Winterquartieren in die Brutgebiete zurückzukehren. Ihre zuver lässige Wiederkehr und ihr Gesang geben uns die Gewissheit, dass wir wieder eine Nacht überstanden haben. Dass wir noch am Leben sind. Jahreszeiten, also auch den Frühling, gibt es auf der Erde nur, weil die Erdachse um 23 Grad zur Ekliptik, der Ebene ihrer Umlaufbahn um die Sonne, geneigt ist. Nur im Frühjahr (und im Herbst) geht die Sonne deshalb auch genau im Osten auf und im Westen unter (im Sommer geht sie im Nordosten auf und im Nordwesten unter). Kalendarisch beginnt der Frühling schon am 20. März, phänologisch dann, wenn bestimmte Zeigerpflanzen blühen. Vorfrühling ist, wenn Schneeglöckchen und Haselnuss blühen. Erstfrühling ist, wenn Narzissen und Veilchen, Kirsche und Schlehe blühen. Vollfrühling ist, wenn Apfelbäume und Flieder ihre Blüten zeigen. Frühblüher werden auch Ephemere genannt, weil sie im Frühjahr kometenhaft aufleuchten und dann rasch verblühen, das Wort leitet sich vom griechischen epheme ros ab: nur einen Tag andauernd, vergäng lich. Ephemere speisen sich aus verborgenen Vorratskammern, den Zwiebeln oder Knollen. Deshalb stammen die ersten Blüten des Jahres meistens von Zwiebelpflanzen wie Krokus, Schneeglöck chen, Narzisse. Viele dieser Pflanzen 42 Alnatura Magazin Juni 2019

Mai / Juni 2019 NR. 03 ANZEIGE WISSEN Computerspiele Die neue Literatur der Gegenwart? Flugreisen Werden sie zu Unrecht verurteilt? 6,95 EURO Österreich, Benelux 8,00 € — Frankreich, Italien, Spanien 9,10 € — Schweiz 10,90 CHF WISSEN Lass dich nicht täuschen! Neue Serie Besser durchblicken WAS MAN LERNEN KANN VON: Kriminalkommissaren, Verkaufsgenies, Gutachtern, Prostituierten, Partnervermittlern und anderen Experten Charmant, überraschend, bereichernd: ZEIT WISSEN steckt voller Impulse und Inspirationen für Ihren Alltag. Wagen Sie den Perspektivwechsel, denken Sie weiter als andere und entdecken Sie mit ZEIT WISSEN Neues aus Wissenschaft und Forschung. Sichern Sie sich jetzt Ihre Gratisausgabe! Einfach Gutschein-Code ZW944AN06 eingeben unter zeit.de/zw-gutschein sind giftig – das ist eine Überlebensstrategie, weil das erste Grün nach dem Winter alle Hungrigen anlockt. Dagegen kann man Pflanzen, die schnell wachsen, meistens essen. Sie investieren ihre Energie nicht in Gifte, sondern in Neutriebe. Die Blütezeit ist nicht das sichtbare Resultat einer punktuellen Temperaturveränderung, sondern das Ergebnis einer Phase. Das lichtempfindliche Protein Phytochrom ist dafür verantwortlich, dass die Blüte im Frühjahr rechtzeitig konstruiert wird, indem es das Verhältnis von hellrotem zu dunkelrotem Licht misst. Doch Pflanzen erkennen nicht nur das Lichtverhältnis zwischen Tag und Nacht. Damit sie sicher sein können, dass es Frühling ist, brauchen sie zuerst eine Kälteperiode: Das Gen Flowering Locus C produziert ein Protein, das wie eine Blühbremse funktioniert. Solange dieses Gen aktiv ist, bilden sich Blätter, aber keine Blüten. Erst wenn Pflanzen ausreichende Kälte, genügend Licht, Luftfeuchtigkeit und höhere Temperaturen registriert haben, blühen sie auf. Licht ist der Taktgeber des Lebens. Alle Lebewesen passen ihre Körperuhr permanent dem Tag-und-Nacht-Wechsel an. Bei Vögeln befinden sich die lichtsensorischen Zellen direkt im Gehirn: Ihr Schädel ist so dünn, dass die Strahlen der Sonne hindurchdringen. Bei Säugetieren, auch beim Menschen, ist ein Bündel aus Nervenzellen für die Synchronisation der Zelluhren zuständig: der suprachiasmatische Nucleus; er sitzt dort, wo sich die Sehnerven kreuzen. Für uns ist Grün die Farbe des Frühlings. Wenn Blumen ans Sonnenlicht stoßen, sind ihre Triebe jedoch zunächst weiß bis hellgrün, erst wenn die Sonne sie bescheint, bilden sie Chlorophyll und werden grün. Bäume dagegen haben einen Chlorophyll- Vorrat im Stamm angelegt, sodass ihre Blätter von Anfang an grün heraustreiben. Junge Baumblätter sind deutlich heller als ältere. Das hat drei Gründe: Im Lauf des Sommers bildet ein Blatt weiteres Chlorophyll und mischt außerdem den grünen auch dunklere Farbstoffe bei, um das Blatt gegen die Sonne zu schützen. Zudem werden im Laufe des Jahres Gerbstoffe ein gelagert, die der Baum im Herbst zu einem braunen Abbauprodukt umwandelt. ››› Gastbeitrag Hella Kemper Reise geplant? Nimm alviana mit! Hella Kemper ist Redakteurin beim ZEIT WISSEN Magazin. Die ungekürzte Version des Texts lesen Sie im ZEIT WISSEN Magazin, Ausgabe 03/19. alviana.de alviana.naturkosmetik #yournaturalkick

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