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Alnatura Magazin Februar 2018

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Die promovierte Juristin

Die promovierte Juristin Juli Zeh wurde 1974 in Bonn geboren und ist heute eine der bekanntesten deutschen Schriftstellerinnen ihrer Generation. Sie hat am Deutschen Lite raturinstitut Leipzig studiert und lebt seit zehn Jahren mit ihrer Familie in Brandenburg. SÜDDEUTSCHE ZEITUNG FAMILIE »Es geht uns alle an.« Sind Eltern heute egoistischer als früher? Und was macht das mit unseren Kindern? Ein Gespräch mit der Schriftstellerin Juli Zeh. Redaktion: Frau Zeh, Ihr neues Buch »Leere Herzen« spielt im Jahr 2025, im bürgerlichen Milieu. Die Hauptfigur hat eine kleine Tochter und eine Freundin, ebenfalls mit Tochter. Die beiden Frauen sitzen oft am Spielplatz herum, und während sie ihre Töchter beobachten, denken sie sich schwierig zu entscheidende Dilemmata aus. Juli Zeh: »Ja, sie sehnen sich nach der Klar heit, die man braucht, um in bestimm ten Situationen Entscheidungen zu treffen.« Ein Dilemma geht so: Sie sitzen mit Ihrem Kind an einem überfüllten Spielplatz. In einem Mülleimer ist eine Bombe versteckt, die in fünf Minuten explodiert. Sie haben den Terroristen bei der Präparierung der Bombe beobachtet und es geschafft, ihn festzuhalten. Nur er kennt den Code. Was machen Sie? »Britta, die Hauptfigur im Buch, sagt: ›Ich nehme mein Kind und renne weg.‹ Und wenn ich ehrlich bin: Ich würde genauso entscheiden. In dem Moment ist jede Mutter, jeder Vater besessen davon, das eigene Kind zu retten.« Dabei wollten wir mit Ihnen über soziale Verantwortung reden. Also über die Frage, wie man es in gefühlt un sicheren Zeiten schafft, aus Kindern sozial denkende und empathische Menschen zu machen. »Die Idee, die Welt zu retten und Verantwortung für andere zu übernehmen, ist in so einer extremen Situation weit weg. Das heißt aber nicht, dass man nicht in vielen anderen Situationen genau darüber nachdenken sollte.« Der Grundvorwurf an uns als Elterngeneration lautet: Wir denken nur an uns und unsere Kinder. Oder wie es in Ihrem Buch an einer Stelle steht: »Eltern ersetzen durch das Kinderhaben alles, was ihnen verloren gegangen ist: Politik, Religion, Gemeinschaftsgefühl und der Glaube an eine bessere Welt.« »Ja, das ist eine zugespitzte Zeitdiagnose. Wenn ich unsere Generation der Eltern heute betrachte, kommt es mir so vor, als ob man kapitulieren würde vor dem Ansatz, als Gemeinschaft die Probleme der Welt angehen oder sogar lösen zu können. Stattdessen zieht man sich ins Private zurück. Und steckt alle Kraft in die Kinder. Das wiederum kann für die Kinder nur schiefgehen.« Warum? »Es geht um unseren Optimierungswahn, also diese absurde moderne Vorstellung, dass wir komplett selbst dafür verantwortlich sind, wo im Leben wir landen. ›Jeder ist seines Glückes Schmied‹ heißt es. Und damit gilt auch die Kehrseite: ›Und wer kein Glück hat, war einfach kein guter Foto Michael Gottschalk / photothek.net 40 Alnatura Magazin Februar 2018

Das ganze Interview finden Sie in SZ Familie. Schmied.‹ Wenn es mir gut geht, habe ich alles richtig gemacht. Wenn es mir nicht gut geht, muss ich was falsch gemacht haben. Das ist die Grundannahme, infolge derer wir uns permanent selbst optimieren und bestrafen. Und das überträgt man dann auf die Kinder.« Und die werden dadurch zu Egozentrikern? »Sie werden sich jedenfalls nicht leichttun, aus der Optimierungsfalle wieder herauszukommen. Für mich ist das Thema Förderung deswegen ein Knackpunkt der Debatte. Die Förderidee heißt ja letztendlich, man stellt das Kind in den Mittelpunkt, glotzt die ganze Zeit drauf, zupft rum, bewertet, evaluiert. Und bürdet den Kindern gleichzeitig etwas auf: Mama ist traurig, wenn du nicht Geige spielst oder keine guten Noten hast. Das muss nicht so explizit gesagt werden, aber Kinder spüren trotzdem die Botschaft: Wenn du als mein Kind erfolgreich bist, dann sind auch deine Eltern glücklich und alles ist gut. Über diese Ich-Fokussierung soll dann ein Gemeinschaftsglück hergestellt werden. Aber das wird nicht funktionieren. Es sind nicht alle glücklich, wenn ein Einzelner oder eine einzelne Familie erfolgreich ist. Alle sind glücklich, wenn sich alle umeinander kümmern.« Ihre eigenen Kinder sind noch klein, drei und fünf Jahre alt. Wie erziehen Sie? »Ich mag das Wort Erziehung nicht, weil das so klingt, als gäbe es ein Ziel, auf das man hinarbeiten muss. Genau das will ich nicht. Ich versuche, meinen Kindern offen und ehrlich alle Fragen zu beantworten, die sie an die Welt haben. Und sie darin zu unterstützen, eine Haltung zu dieser Welt zu entwickeln. Haltung wiederum ist in meinen Augen etwas, was man Kindern nicht erklären, sondern nur vorleben kann.« Und es fällt Eltern heute schwerer, eine Haltung vorzuleben? »Ich beobachte, dass viele Eltern Entscheidungen nur noch danach treffen, wie es dem Kind damit geht. Die ganze Welt wird ausschließlich durch die Augen des Kindes wahrgenommen.« Aber das klingt doch ganz gut – zumindest für die Kinder. »Nein, das ist es nicht. Ein Beispiel: In einer Schulklasse wird ein Kind von einem Lehrer brutal am Ohr gezogen. Die Kinder erzählen das daheim. Ein paar Eltern regen sich auf und wollen gegen das Verhalten des Lehrers vorgehen. Auch der betroffene Junge wird von seinen Eltern befragt. Er sagt allerdings, dass er es nicht so schlimm fand. Und damit sind dann plötz lich auch seine Eltern dafür, dem Fall nicht weiter nachzugehen. Sie sagen: »Das Kind fand’s okay, damit ist es für uns auch nicht so schlimm.« Was ich daran dramatisch finde: dass die Eltern nicht die Verantwortung übernehmen, sich als Mutter, als Vater zu positionieren und eine eigene Meinung zu dem Fall zu entwickeln. Zum Beispiel: Lieber Sohn, so etwas geht einfach nicht und dagegen kann man sich wehren! Stattdessen lastet die ganze Verantwortung auf dem Kind. Es muss komplett allein entscheiden, ob Gewalt an der Schule okay ist oder nicht.« Wo zeigen Sie als Mutter Haltung? »Im Grunde buchstäblich bei jedem Schritt. Dabei ist mir die Unterscheidung zwischen Haltung und Dogma wichtig. Ich selbst zum Beispiel trete nicht auf kleine Tiere am Boden. Wenn ich herumlaufe, achte ich darauf und setze einen Käfer oder eine Raupe notfalls an die Seite. Natürlich bekommt mein Sohn bei ganz vielen anderen Kindern mit, dass sie Tiere aus Spaß totmachen. Dann fragt er mich, ob das okay ist oder nicht. Und dann ist es für mich wichtig zu sagen, dass ICH es nicht okay finde. Ich sage nicht, dass ES sich nicht gehört oder: ›DU darfst das nicht.‹ Das ICH lässt grundsätzlich offen, wie er es selbst machen will. Ich versuche zu transportieren, dass man eine Haltung zur Welt nicht deshalb hat, weil ein unbekanntes ES sie vorgibt, sondern weil man sie aus sich selbst heraus entwickeln kann.« ››› Das Interview führten Mareen Linnartz und Vera Schroeder. Ein Heft für Sie – und Ihre Kinder! Das Interview auf dieser Seite stammt aus dem Magazin »Süddeutsche Zeitung Familie«, das es ab jetzt am Kiosk oder im Abo zu kaufen gibt. »Süddeutsche Zeitung Familie« besteht aus zwei Teilen, einem für Kinder – und einem für Erwachsene. Die Hefte können nebeneinander und miteinander gelesen werden. Das Kinderheft eignet sich für Kinder ab vier Jahren und ist komplett werbefrei. Unter sz.de/alnatura können Sie eine Testausgabe gratis bestellen!

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