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Alnatura Magazin - August 2017

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ZEIT WISSEN »Wir sind

ZEIT WISSEN »Wir sind dabei, Menschen zu Göttern zu machen.« Ein ZEIT-WISSEN-Gespräch mit dem Bestsellerautor und Historiker Yuval Harari über die Zukunft der Menschheit und warum es den Homo sapiens in 200 Jahren nicht mehr geben wird. Herr Professor Harari, unsere Zeit ist von Unsicherheit, Überforderung und politischer Unruhe geprägt. Warum fühlt es sich mitunter ziemlich anstrengend an, ein Homo sapiens zu sein? Zunächst wegen der Beschleunigung der technischen Entwicklung, die zu schnelleren Veränderungen in der Wirtschaft, der Gesellschaft und der Politik führt. Früher haben die Menschen zwar auch nicht in einer statischen Welt gelebt, aber was sie in der Jugend gelernt hatten, war für sie als Erwachsener weiterhin wertvoll. Das meiste dessen, was Menschen heute in der Schule lernen, wird völlig überholt sein, wenn sie 40 oder 50 sind. Sie müssen sich im Lauf des Lebens immer wieder neu erfinden. Das stresst. Wir leben heute größtenteils in Umgebungen, die wir selbst geschaffen haben. Warum sind wir so schlecht darin, sie unserer Natur gemäß zu gestalten? Diese Umgebungen sind nicht auf die Bedürfnisse des menschlichen Körpers und Geistes zugeschnitten, sondern auf die des ökonomischen und politischen Systems. In der westlichen Welt lief aus deutscher Perspektive seit dem Ende des Kalten Kriegs alles in die richtige Richtung: mehr Demokratie, mehr Freiheit, mehr Wohlstand. Dann schien einiges schiefzugehen. Es ging vor allem in der Wahrnehmung der Menschen schief, glaube ich. Die Situation heute in Deutschland ist vermutlich besser als in jeder anderen Gesellschaft zu irgendeiner Zeit in der Geschichte: Ernährung, Sicherheit vor Krieg und Gewalt, Sterblichkeit. In solchen Situationen passen Menschen ihre Erwartungen an. Sie sind ein Vertreter der »Big History«-Bewegung in der Geschichtswissenschaft, die die Menschheit aus der Vogelperspektive betrachtet … …. eher aus der Satellitenperspektive. Wie sehen Sie die Menschheit von dort? Wir haben einen Punkt erreicht, an dem die gesamte Mensch heit eine einzige große Entität ist. Das gab es vorher nicht. Im 21. Jahrhundert haben wir ein globales Wirtschaftssystem. Auch in Wissenschaft und Technologie haben wir zusammenhängende Systeme. Eine global vereinte Menschheit sollte doch besser in der Lage sein, ihre Probleme anzugehen. Es gibt eine globale Wirtschaft, eine globale Wissenschaft und eine globale Ökologie, aber immer noch keine globale Politik. Alle unsere großen Probleme sind global. Unsere einzige Chance, die globalen Probleme des 21. Jahrhunderts anzugehen, liegt in einer globa len Politik. Wir leben am Cyber-Fluss und keine Nation kann ihn kontrollieren. Wir haben die Atomenergie, die ein gewaltiges Versprechen und eine gewaltige Bedrohung ist, wir haben den Klimawandel. Wir sind in einer Situation, in der wir viel besser kooperieren müssen, wenn wir überleben und gedeihen wollen. Die politische Entwicklung scheint in die andere Richtung zu gehen. Ja, besonders in den letzten zwei oder drei Jahren. Das ist höchst gefährlich. Men schen sind sehr schlaue Tiere, aber sie neigen dazu, schreckliche Fehler zu machen. Wir sollten nie die menschliche Dummheit unterschätzen. Was bedeutet der Titel Ihres Buches »Homo Deus«? »Homo Deus« heißt göttlicher Mensch, wie »Homo sapiens« wissender Mensch bedeutet. Wir sind dabei, Menschen zu Göttern zu machen. Das meine ich wörtlich. Wir sind dabei, uns die Fähigkeiten anzueignen, die in den religiösen Mythen den Göttern zugeschrieben wurden, zum Beispiel die Fähigkeit, Leben zu erschaffen. Im 21. Jahrhundert, mit Biotechnologie und maschinellem Lernen, ist die göttliche Schöpferkraft greifbar nahe für uns. Bald können wir Leben nach unseren Wün- 38 Alnatura Magazin 08.2017

Juli / August 2017 NR. 04 Das will ich WISSEN Gesundheit, Psychologie, Forschung und Gesellschaft – entdecken Sie in ZEIT WISSEN faszinierende Reportagen, anregende Interviews und ausdrucksstarke Bilder, die Ihr Leben bereichern. WISSEN Sichern Sie sich jetzt Ihre Gratisausgabe! WISSEN Einmischen Die Pfade der Erkenntnis 3NEUE ZEIT WISSEN WANDERUNGEN Vulkane, Alpen und Wattenmeer Testen Sie sich selbst! Wo liegen Ihre Stärken? SOLL ICH MICH EINMISCHEN? Privatleben, Beruf, Gesellschaft: Wie man die richtige Balance findet zwischen Rückzug und Engagement Einfach Gutschein-Code ZW944AN08 unter zeit.de/zw-gutschein eingeben. der Homo sapiens nicht in einer Hollywood-Apokalypse verschwinden, sondern sich selbst auf eine viel höhere Stufe bringen. Vielleicht nur eine Elite, und der Rest der Menschheit wird irrelevant. Es gibt eine dritte Möglichkeit: dass wir uns Gesetze geben, die diese Entwicklung verhindern. Viele Staaten haben beispielsweise strenge Regeln für den Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen. Das halte ich nicht für praktikabel. Wenn wir es hier verbieten, machen es die Koreaner oder die Chinesen. Die Entwicklung vollzieht sich bereits und keine Regierung kann sie verhindern. Menschen sind dabei, mit Computern zu verschmelzen. schen erschaffen. Die wichtigsten Produkte der nächsten Jahrzehnte werden nicht mehr Kleider aus Bangladesch oder Autos aus Deutschland sein, sondern Körper und Gehirne. Wie bitte? Menschliche Gehirne? Tierische, menschliche und andere. Wir werden auch nichtorganische Gehirne aus Silizium herstellen können. Selbst wenn Sie recht hätten, wäre das doch großartig, wir werden Götter! Aber Ihr Buch liest sich wie eine Dystopie. Eine Gefahr ist, dass künstliche Intelligenz die Menschen überflüssig macht. Schon zu unseren Lebzeiten könnte es passieren, dass Hunderte Millionen Menschen aus dem Arbeitsmarkt verdrängt werden. Ich glaube nicht, dass es den Homo sapiens in 200 Jahren noch geben wird. Ernsthaft? Sie wollen provozieren. Ich sehe zwei Möglichkeiten: Wir werden uns selbst vernichten, aber das ist unwahrscheinlich. Eher werden wir mit den neuen Technologien die Fähigkeit erlangen, das Leben neu zu gestalten. Dann wird Wir sind also zum Untergang verdammt? Ich sage ausdrücklich, dass nichts daran unausweichlich ist. Aber alle schauen rückwärts. Die einzigen Menschen, die vorwärtsschauen, sind Leute wie Elon Musk, Mark Zuckerberg und die Silicon-Valley- Gurus. Ich sage nicht, dass wir ihnen folgen sollten. Ich sage nur, dass unser politisches System nicht mehr in der Lage ist, Visionen für die Zukunft zu entwickeln. Ein politisches System, das keine sinnvollen Visionen mehr hervorbringt, ist kaputt. Es gibt viele Gründe, sich Sorgen zu machen. ››› Yuval Harari, geboren 1976 in Haifa, ist Professor für Geschichtswissenschaft an der Hebrew University of Jerusalem. Er schrieb seine Doktorarbeit über Militärgeschichte im Mittelalter – und wandte sich dann den großen Fragen zu: Hat Geschichte eine Richtung? Was unterscheidet Mensch und Tier? Nimmt das Glück der Menschheit zu? Einer breiten Öffentlichkeit wurde er mit seinem Bestseller »Sapiens« bekannt, empfohlen von Barack Obama. Sein neues Buch »Homo Deus« ist bei C. H. Beck erschienen. Er bloggt unter ynharari.com. Das Interview führten Tobias Hürter und Max Rauner für ZEIT WISSEN (die ungekürzte Fassung des Gesprächs lesen Sie in der ZEIT-WISSEN-Ausgabe 04/2017). Foto: picture alliance / PIXSELL, Sanjin Strukic Alnatura Magazin 08.2017 39

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