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Alnatura Magazin April 2018

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SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG FAMILIE »Einige begannen, sich für ihren Körper zu schämen.« Mit zwölf Jahren sehen Kinder im Schnitt zum ersten Mal Pornobilder. Wie bereitet man sie darauf vor? Die Autorin Peggy Orenstein hat Jugendliche zu Pornografie und Sex befragt. Redaktion: Ich war Anfang 20, als ich zum ersten Mal einen Porno gesehen habe. Wäre so etwas heute noch möglich? Peggy Orenstein: »Wenn Wissenschaftler heute den Einfluss von Pornografie auf Jugendliche untersuchen, haben sie tatsächlich ein Problem: Sie finden keine Vergleichsgruppen, die diesem Einfluss nicht ausgesetzt sind. Umso wichtiger ist es für die jetzige Elterngeneration, sich diese Sachen im Internet wirklich mal anzusehen. Denn wer den Playboy oder einen Erotikfilm kennt, macht sich keine Vorstellung davon, wie gesättigt mit pornografischem Bildmaterial die Welt junger Menschen ist.« Pornografie zu gucken ist nicht jedermanns Sache. Muss man sich das antun? »Ja, ich denke schon. Denn wenn Sie mit Ihrem Kind irgendwann darüber sprechen wollen – und das sollten Sie –, sind Sie nur glaubwürdig, wenn Sie auch wissen, worum es da genau geht.« Sie haben für Ihr Buch »Girls & Sex« Hunderte von Mädchen im Teenageralter befragt und arbeiten nun mit Jungen an einem zweiten Teil. Aus Ihrer Erfahrung: Wie werden Kinder zuerst mit Pornos konfrontiert? »Es kann sein, dass ein älterer Mitschüler ihnen auf dem Schulhof kurz was auf dem Handy zeigt, oder es wird etwas in einer Chatgruppe herumgeschickt. Oft passiert es aus Versehen. Die Jungen googeln vielleicht ›Busen‹ oder ›süße Mädchen‹ und dann geht es ab ins Wurmloch.« Ist das bei den Mädchen genau wie bei den Jungen? »Für Mädchen wird Pornografie später relevant. Sie konsumieren sie eigentlich vor allem, um Abgeklärtheit und Erfahrenheit zu demonstrieren. Das passiert dann, wenn sie mit den Erwar tungen der Jungen konfrontiert werden. In ihrem Sozialleben spielt sie keine so große Rolle.« Und wie reagieren Jungen zuerst auf Pornografie? »Zunächst finden sie es nicht erregend, sondern einfach nur seltsam. Die Jungen sind meistens so jung, dass sie noch keinerlei sexuelle Erfahrung haben. Im Laufe der Entwicklung verknüpfen sich diese Bilder dann mit dem Bedürfnis zu masturbieren.« Wie beeinflusst dieser frühe Kontakt mit Pornografie das Denken der Jugendlichen? »Man weiß darüber nicht viel. In gewisser Weise sind unsere Kinder unsere Versuchskaninchen. Was kann es mit einem Elfjährigen anstellen, der noch nie jemanden geküsst hat, aber drei Leuten beim Sex zuschauen muss? Ein Effekt ist definitiv, dass sie Pornografie für Selbstbefriedigung benötigen. Viele nutzen sie auch als Aufklärungshilfe – vor allem wenn sie in dieser Sache keine Anleitung von Eltern oder Lehrern erhalten.« Woher kennen Sie die Jungen, die Sie für Ihr nächstes Buch interviewen? »Seit ›Girls & Sex‹ erschienen ist, bieten mir ständig Eltern ihre Söhne als Gesprächspartner an – aber darauf gehe ich selten ein. Eigentlich gibt es an jeder Schule ›coole‹ Lehrer. Die versuche ich ausfindig zu machen und bitte sie, passende Jungen zu suchen. Ich habe auch über Colleges viele Gesprächspartner gefunden. Oft schicken mir die Jungen dann auch ihre Freunde. Das ist gut, weil ich so viel über die Gruppendynamik der Jungen erfahre.« Wie bekommen Sie die Jugendlichen dazu, offen mit Ihnen über so intime Themen zu reden? »Das ist erstaunlicherweise gar nicht schwierig. Im Prinzip muss man nur fragen. Wie ich immer wieder feststelle, haben Jungen ein riesiges Bedürfnis, sich auszusprechen. Am Anfang dachte ich, es könnte ein Problem sein, dass ich so aussehe, als könnte ich ihre Mutter sein. Aber raten Sie mal, wer ich noch sein könnte? Die Therapeutin.« Mit wem sprechen sie noch darüber? »Mit kaum jemandem. Pornokonsum ist ein sehr persönliches Thema. Man macht vielleicht Witze oder schaut sich einen Clip mit anderen zusammen an. Aber über das, was in ihnen vorgeht, reden die Jugendlichen untereinander nicht. Bei ›Girls & Sex‹ habe ich schon die Erfahrung gemacht, dass ich oft die erste Erwachsene war, die mit den Mädchen über diese Themen sprach.« Wie bewerten die Jungen, mit denen Sie gesprochen haben, den Einfluss der Pornografie auf sich selbst? »Manche sagen: ›Ich weiß, das ist alles nicht echt, deshalb macht das gar nichts mit mir.‹ Diese Jungen sind meistens ohnehin nicht sehr offen. Andere ringen 40 Alnatura Magazin April 2018

Ein Heft für Sie – und Ihre Kinder! Das Interview in voller Länge finden Sie im Magazin »Süddeutsche Zeitung Familie«, das es ab jetzt am Kiosk oder im Abo zu kaufen gibt. »Süddeutsche Zeitung Familie« besteht aus zwei Teilen, einem für Kinder und einem für Erwachsene. Die Hefte können nebeneinander und miteinander gelesen werden. Das Kinderheft eignet sich für Kinder ab vier Jahren und ist komplett werbefrei. Unter sz.de/alnatura können Sie eine Testausgabe gratis bestellen! damit. Sie machen sich Sorgen darüber, wie Pornografie ihr Verhältnis zu Mädchen beeinflusst, ihre Erwartungen oder auch ihr Verhalten im Bett. Einige begannen, sich für ihren eigenen Körper zu schämen. Oder sie verglichen zwanghaft die Brüste ihrer Freundinnen mit denen der Pornodarstellerinnen. Manche erzählen mir, dass sie aus diesen Gründen bewusst aufgehört haben, diese Filme zu konsumieren.« Was braucht ein Junge, um gut mit dieser Bilderwelt zurechtzukommen? »Wir leben in einer sehr seltsamen Zeit. Kinder sind von sexualisierten Medien umgeben – ich meine auch die Objektifizierung von Frauen in der Werbung –, aber niemand spricht mit ihnen darüber. Bei den Mädchen machen wir uns Sorgen über ihr Körpergefühl, ihre Sexualität und ihre Sicherheit. Ihnen bringen wir eher bei, die mediale Darstellung von Frauenkörpern zu hinterfragen. Aber mit den Jungen redet niemand darüber, wie Sex ihnen präsentiert wird.« Peggy Orenstein lebt in Kalifornien und schreibt seit 25 Jahren über das Leben junger Mädchen und Frauen in Amerika. Widerspricht es nicht eigentlich dem ersten Elterninstinkt, sich überhaupt in die sexuelle Entwicklung des Kindes einzuschalten? »Meiner Meinung nach können wir uns den Luxus, uns nicht einzumischen, einfach nicht mehr leisten. Diese Kultur ist zu groß und sie ist keinen ethischen Werten verpflichtet. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als uns auf diesem Gebiet zu bilden und mit den Kindern im Gespräch zu bleiben.« ››› Das Interview führte Meredith Haaf. Foto Michael Todd / Goldmann / Mosaik Verlag

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